Nicht nur FSME, Borreliose & Co: Zecken können auch Lähmungen hervorrufen

Foto: mirkograul/fotolia.com

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose sind die bekanntesten von Zecken übertragenen Krankheiten. Was viele nicht wissen ist, dass Zecken auch unterschiedliche Co-Infektionen in sich tragen können. Selten, aber auch möglich, ist eine Zeckenlähmung.

Weltweit gibt es mehr als 660 bekannte Zeckenarten. In Deutschland ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) die weitverbreitetste Zecke und damit der häufigste Überträger von Krankheiten. In Gräsern und Büschen lauernd, lassen sie sich auf der Suche nach einer Blutmahlzeit im Vorbeigehen von Tieren oder Menschen abstreifen.

Je länger eine infizierte Zecke an in ihrem Wirt festgesaugt bleibt, desto mehr steigt das Risiko für die Übertragung von Bakterien und Viren. FSME, eine Virusinfektion, die zu einer Hirnhautentzündung führt, ist die einzige von Zecken übertragene Krankheit, vor der man sich mit einer Impfung schützen kann.

Mit Borreliose können zahlreiche Co-Infektionen einhergehen

Gegen Borreliose gibt es keinen sicheren Schutz. Auch die Diagnose der Krankheit ist aufgrund der Vielzahl möglicher Symptome schwer. So können brennende Schmerzen und Gelenkentzündungen, aber auch neurologische Ausfälle, Depressionen und Bewusstseinsstörungen auftreten. Hinzu kommen mögliche Co-Infektionen wie Babesien, Rickettsien oder Chlamydien. Eine Infektion mit Babesien kann Blutarmut und Gelbsucht auslösen; Rickettsien erzeugen Herzbeutelentzündungen und Muskelbeschwerden. Eine Erkrankung mit Chlamydien kann sich unter anderen auf die Schleimhäute im Augen-, Atemwegs- und den Genitalbereich auswirken. Entsprechend lang ist oft der Leidensweg Betroffener. Vom Zeckenstich und dem Auftreten erster Symptome, bis zur Feststellung der Krankheit, können Wochen, schlimmstenfalls Jahre vergehen.

Zeckenlähmung ist selten und verschwindet meist nach Entfernen der Zecken

Am wenigsten bekannt, da nur selten auftretend, ist die Zeckenlähmung. Über 40 Zeckenarten weltweit sollen Lähmungen auslösen können. Am häufigsten kommen sie in Australien, Nord- und Südamerika vor. Betroffen sind meist Tiere, zum Beispiel in freier Wildbahn oder auf Weiden. Aber auch Menschen, meist Kinder, können erkranken. Im Sommer dieses Jahres berichteten Medien über einen Fall in den USA, bei dem ein kleines Mädchen von einem Tag auf den anderen plötzlich auftretende Lähmungen hatte. 2005 soll ein Mann in Rostock betroffen gewesen sein – der bis dahin einzige bekannte Fall in Europa.

Ausgelöst wird die Zeckenlähmung ausschließlich von weiblichen, tragenden Zecken. Beim Saugen des Blutes produzieren diese Zecken bei einem chemischen Vorgang in ihren Speicheldrüsen Neurotoxine, die sie in Blut abgeben. Je länger die Zecke unentdeckt bleibt, desto mehr Gifte gibt sie ab. Diese führen zu aufsteigenden Lähmungserscheinungen, die in den unteren Gliedmaßen beginnen und schließlich das Gesicht betreffen können.  Das Positive: die Symptome verschwinden nach dem Entfernen der Zecke innerhalb weniger Stunden bis Tage vollständig. Bleibt die Zecke unentdeckt, kann die Zeckenlähmung aber schlimmstenfalls zum Tod führen.

Auch wenn in die Zeckenlähmung eine, insbesondere in Europa, sehr selten auftretende Krankheit ist, verdeutlicht der Fall des kleinen Mädchens in den USA einmal mehr, welches Risiko von Zecken ausgehen kann. Die milden Winter der vergangenen Jahre und der überdurchschnittlich heiße Sommer 2018 führten zu einer höheren Zecken-Population und damit steigenden Fällen von FSME- und Borreliose-Infektionen.

Schutzen vor FSME und Zecken ist wichtig

Wer in FSME-Risikogebieten lebt oder in solche reist, sollte sich daher impfen lassen. Da es keinen Schutz vor Borreliose oder Co-Infektionen gibt, sollte bei Spaziergängen in der Natur möglichst helle, geschlossene Kleidung und festes Schuhwerk getragen werden. Abwehrsprays bieten zusätzlichen, aber keinen garantierten Schutz vor Zecken. Wichtig ist vor allem, sich und Kinder, aber auch Haustiere nach dem Aufenthalt in der Natur nach Zecken abzusuchen, auch am Kopf, wo sie schlecht zu sehen sind. Dies gilt sowohl für Deutschland, als auch den Urlaub. Zecken und die mit ihnen einhergehenden Krankheiten können überall auftreten.  

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