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Autor: Deutsches Chroniker Labor

Jaroslaw Venzke Borreliose Erfahrung

Jaroslaw Venzke veröffentlichte seinen Kampf mit der Borreliose in einem Buch

Jaroslaw Venzke litt rund 14 Jahre an verschiedensten Symptomen, darunter heftige Schmerzen und Lähmungserscheinungen. Er besuchte fast 50 Ärzte, Kliniken und Heilpraktiker. Heute hat er seine Krankheit wieder im Griff.

Jaroslaw Venzke litt rund 14 Jahre an verschiedensten Symptomen, darunter heftige Schmerzen und Lähmungserscheinungen. Er besuchte fast 50 Ärzte, Kliniken und Heilpraktiker. Heute hat er seine Krankheit wieder im Griff. In seinem Buch „Mein Kampf mit der Borreliose“ beschreibt er seinen Leidensweg, welcher Behandlung er sich unterzogen hat und wie er es schaffte, heute wieder ohne Symptome zu leben. Hier ist ein Einblick in seinen Leidensweg:

1. Wie fing bei Ihnen alles an, also wann haben Sie erste Symptome gespürt?

Erste Beschwerden 1998 – Ein Nerv im linken Fuß schien laut Arztaussage eingeklemmt. Linker Fuß wurde taub und fühlte sich wie ein Holzklotz an. Sehr heftige Schmerzen über einige Monate. Nach ca. vier Jahren keine Folgeschäden mehr spürbar. Nerv hatte sich gut erholt. Behandelt wurde mit Keltican.

2. Wie hat sich die Erkrankung geäußert/welche Einschränkungen hatten Sie im Alltag?

Seit 2000 – Ständig mal heftiger mal weniger heftig auftretende Nackenschmerzen. Teilweise mit Tabletten nicht in den Griff zu bekommen. Einnahme von Ibuprofen 400, das hilft mir.

2002 – Ausfall des gleichen Fußnervs am linken Fuß, nur nicht so ausgeprägt. Kribbeln hielt bis heute an. Behandelt wurde mit Keltican.

2005 – Ausfall des gleichen Fußnervs, nur auf der rechten Seite und diesmal noch schwerer. Das Kribbeln hielt bis heute an inklusive Schmerzen und anderen Sensatschwerer. Das Kribbeln hielt bis heute an inklusive Schmerzen und anderen Sensationen. Behandelt wurde mit Cortison.

Hörsturz auf dem linken Ohr. Folge Tinnitus. Behandlung mit Cortison und später mit hoch dosiertem Ginkgo.

Ab 2007 – Ständig wiederkehrende Kribbel-Attacken im Abstand von ungefähr sechs Monaten. Taubheitsgefühle über einige Monate in allen Fingern beider Hände. Das teilweise auch mit Kraftverlust in den Händen verbunden. Gelegentlich zudem leichte Ausfälle der bereits angegriffenen Fußnerven. 2007 und 2008 Operationen beider Karpaltunnel.

2007 – Zweiter Hörsturz auf dem linken Ohr. Folge: Tinnitus. Wieder Behandlung mit Cortison und später mit hoch dosiertem Ginkgo. Einige Monate später erneut ein leichter Hörsturz auf dem rechten Ohr. Auch diesmal die erneute Folge: Tinnitus, ständiges Rauschen und Fiepsen im Ohr. Behandlung mit Cortison und später mit hoch dosiertem Tebonin 240 intens.

2009 – Ausfall eines Nervs der rechten Hand und sechs Monate später Ausfall eines Nervs im rechten Bein. Folge: heftige Schmerzen und Lähmungserscheinungen in Hand und Bein. Laut Ärzte wie bei einem HWS- und LWS-Syndrom. MRTs brachten keine Ergebnisse. Einweisung in Uniklinik Düsseldorf für vier Tage. Kompletter Check einschließlich Lumbalpunktion und Gentests. Alle Werte völlig unauffällig. Keine Behandlung. Außerdem Ausfälle des Fußhebers und -senkers für einige Wochen bis Monate.

2010 – Ausfall des Nervs Sulcus ulnaris. Bisher schwerster und schmerzhaftester Ausfall. OP des Sulcus ulnaris am linken Ellbogen zur Entlastung des Nervs. Beginn mit Lyrica für ein Jahr. Brachte nur mäßige Schmerzlinderung und mehr das Gefühl von „neben sich stehen“, weshalb auch die Absetzung nach einem Jahr auf eigene Initiative erfolgte.

Seit 2010 – Immer häufiger und in immer kürzeren Abständen auftretende Nervenausfälle, kognitive Störungen, Angstattacken für einige Tage, schnelle Erschöpfung auch bei geringer Belastung.

2011 – Sehr starke Schmerzen in beiden Knien nach einem kurzen harmlosen Lauf. Keine Behandlung. Habe mehrere Monate wenig belastet, und es wurde langsam besser.
Immer häufiger auftretende Schmerzanfälle in immer kürzeren Abständen wie Nackenschmerzen, Rückenschmerzen, Lendenschmerzen, Symptomschmerzen der Nerven, Kribbel-Attacken, Schmerzen beim Wasserlassen für ein bis zwei Tage und Muskelflattern an Beinen und Armen (Wade, Unterarm). Behandlung mit Schmerzmitteln (Ibuprofen 400).

Bringen wir es auf den Punkt

Meine Beschwerden in Stichpunkten und chronologisch sortiert von 1998 bis 2012:

  • Taubheitsgefühle Fußsohlen
  • Taubheitsgefühle Fußaußenränder
  • Taubheitsgefühle in den Fingern
  • Kribbelparästhesien an Füßen, Knöcheln und Händen
  • Lähmungs- und Schwächeerscheinungen in Beinen und Armen für Monate
  • Ausfall des Fußhebers und Fußsenkers für Wochen und Monate
  • Ausfall des Sulcus ulnaris, kein Greifen mehr möglich und keine Kraft mehr für Monate
  • Leichte Hörstürze, Hörprobleme und Gehörsensationen mit Tinnitus (mehrmals die Woche bzw. Monat)
  • Rückenschmerzen (zwischen den Schulterblättern)
  • Nackenschmerzen (bis hin zur Übelkeit, Ibuprofen immer weniger Wirkung)
  • Nackensteifigkeit (häufiges Knacken der Nackenwirbel)
  • Lendenschmerzen mit Ausstrahlung in den Ischias bis ins Bein, ähnlich einem Bandscheibenvorfall
  • Knieinnenschmerzen (für Wochen bis Monate kaum Laufen möglich
  • Ständiges Gefühl von Entzündungen im ganzen Körper, hauptsächlich im Nacken, Rücken und Lendenbereich, von da aus ausstrahlend in Beine und Arm
  • Schmerzen und Taubheitsgefühl in der Brust
  • Durchfälle
  • Herzrasen
  • Starkes neben sich stehen
  • Panikattacken und Angstanfälle

3. Hatten Sie den Zeckenstich bemerkt oder kannten Sie die Ursache für die Symptome nicht?

Ich konnte mich nur sehr vage an einen Zeckenbiss erinnern, da die Symptome ja erst 7 Jahre später auftraten, doch es gab einen, und dieser wurde mit Antibiotika für 2 Wochen behandelt. Die Symptome konnte ich zu dieser Zeit dem Zeckenbiss nicht zuordnen.

4. Wann haben Sie erstmals einen Arzt aufgesucht und wie lautete die Diagnose?

Ich habe am gleichen Tag den Arzt noch aufgesucht. Es hieß dann in der Praxis „Crossing-Legs-Syndrom“.

5. Haben Sie danach noch weitere Ärzte aufgesucht? 

Einige ist untertrieben. Es waren sicher 40 oder 50 Ärzte, MRT`s, Heilpraktiker und Kliniken.

6. Welche Tests wurden bei Ihnen durchgeführt?

Lumbalpunktion, MRT`s vom Kopf, HWS und LWS, Nerventests, Bluttests.

7. Wann hatten Sie endlich Gewissheit, dass es sich bei Ihnen um Borreliose handelt?

Nach dem Besuch der SHG Kaarst. Dort nach einem sehr ausführlichen Gespräch mit Herrn Wolfgang Maes.

8. Sind Ihnen Co-Infektionen bekannt, die zusammen mit der Borreliose auftraten (z.B. Rickettsiose, Babesiose, Epstein-Barr-Virus)?

Man konnte bei mir keine nachweisen.

9. Wie wurde Ihre Borreliose behandelt?

Nach dem Besuch bei der SHG Kaarst mit:

  • Doxycylin
  • Minocyclin
  • Tetracyclin
  • Tinidazol
  • Quensyl
  • Immunglobuline Intravenös

10. Trat eine Besserung auf, wenn ja, ab wann?

Ab dem ersten Tag der Einnahme von Doxycyclin, traten lauter Herxheimer auf, und von da an kam dann in den nächsten drei Jahren eine ständige Besserung des Gesundheitszustandes. Ein qualvoller Weg.

11. Wie geht es Ihnen heute?

Perfekt. Bis auf die ein oder andere Autoimmunerkrankung wie die CIDP die durch IVIg sehr gut im Griff ist, kann ich alles wie vor der Erkrankung erledigen.

12. Was raten Sie Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind, wie Sie vor über 20 Jahren?

Einfach mit einer sehr harten, hochdosierten und langjährigen Antibiotika Behandlung daran gehen. Diese Erkrankung somit nicht auf die leichte Schulter nehmen. Folge einer unbehandelten Borreliose könnte durchaus ein langer Leidensweg bis hin zum Rollstuhl sein. Diese Antibiotika der Tetracyclin-Gruppe richten kein Unheil im Darm an. Zumindest lässt sich selbst eine jahrelange Therapie mit einer zweiwöchigen Sauerkraut-Kur wieder auf Kurs bringen. Doch je früher man es startet, und vor allem auch durchhält, desto größer die Erfolgschancen und das Ergebnis.

Ausführlichere Informationen zum Leidensweg von Jaroslaw Venzke und seinen Umgang mit der Borreliose-Erkrankung, können Sie auf seiner Website https://jaroslawvenzke.de/ und in seinem Buch nachlesen, das bei Thalia, Amazon und epubli erhältlich ist: https://jaroslawvenzke.de/#buchkaufen.

(Foto: Titelbild des Buches von Jaroslaw Venzke/privat)

Erfahrungsbericht Isabell Marie

Mein Leben auf Stillstand – Isabell Maria (34)

Als Dorfkind verbrachte Isabell Maria (34) viel Zeit in der Natur. Mit sechs Jahren hatte sie im Nacken eine Zecke. Schon früh bemerkte sie Symptome, die sich im Laufe der Jahre steigerten. Sie erlebte eine Ärzte-Odyssee, an deren Ende für sie feststand, dass sie neben Borreliose auch an diversen Co-Infektionen litt. Für uns hat Isabell Maria ihre Erlebnisse in Worte gefasst.

Ich atme. Immer noch oder schon wieder. Mein Atem ist schwer. Nicht wie früher. Automatisch. Babesien. Die sind Schuld. Aber niemand will das wissen. Niemand will meine Geschichte hören. Bis jetzt.

Es ist Zeit das zu ändern. Denn wir sind zu viele. Zu viele Betroffene die Hilfe brauchen und gehört werden müssen. Denn auch Du kannst morgen schon der Nächste sein.

Das was sich anhört wie der billige Spruch einer Werbesendung, ist leider bittere Realität. Denn diese Infektionen sind nicht selten, nur erkennt und diagnostiziert sie kaum einer. Fast keiner kennt Babesia, die Zwillingsschwester von Malaria. Eine Infektion die behandelt werden muss, weil sie krank macht. Weil sie real ist und nicht eingebildet.

Der Malaria-artige Parasit lebt in bestimmten Arten von Zecken. Ein weiterer Übertragungsweg sind Bluttransfusionen. Die Mikro-Organismen können außerdem von der Mutter auf das ungeborene Kind übertragen werden. Doch die Babesiose, ist neben der Borreliose nur eine von zahlreichen Infektionen, die von Zecken übertragen werden können.

Der Anfang – die ersten Symptome begannen in der Kindheit

Sie sagten ich spinne. Immer und immer wieder rannte ich weinend aus dem Sprechzimmer verschiedener Ärzte. Immer wieder erlebte ich dasselbe makabere Spiel.

Das ich mir angeblich all meine Symptome einbilde. Auch die Schwellungen meiner Fingergelenke, spontane Sehnen- und Muskelanrisse oder Gelenkergüsse wurden dabei übersehen. Doch meine Geschichte begann schon viel früher. Mit sechs Jahren saugte sich eine Zecke fest in meinem Genick. Ich hatte langes dickes Haar. Durch Zufall entdeckte meine Cousine den Stich während sie mir die Haare kämmte. Niemand dachte sich etwas dabei. Auf dem Dorf wo ich aufwuchs, war es normal Zecken zu haben. Ich lebte am Waldrand und war schon als Kind sehr naturverbunden. Ich legte mich täglich ins Gras und schaute in den Himmel, spielte mit dem Hund oder den Katzen. Für mich war die Natur mein Wohnzimmer. Ich vertraute ihr mehr als Menschen. Ich fühlte mich einfach sicher und wohl. Bis zum heutigen Zeitpunkt kann ich nicht begreifen, dass die Realität anders aussieht. Dass die Natur nun kein sicherer Ort mehr für mich sein wird, weil sie mit realen Ängsten verbunden ist.

Ich bemerkte als Kind schon ab und zu seltsame Symptome. Aber ich hielt einfach meinen Mund, da ich dachte das sei normal und sicher haben das andere Leute auch.

Alpträume und Schlafstörungen belasteten sie bereits als Kind

Hier mal stechen, da mal Schmerzen waren für mich relativ normal. Des Weiteren bekam ich starke und lebhafte Alpträume unter denen ich sehr litt. Auch heute sind diese Alpträume wieder da und verändern sich je nach Behandlung. Eine weitere seltsame Sache, die ich als Kind feststellte war, dass ich in manchen Momenten eine Art Verlangsamung spürte. Es war als würde mein Denken oder der gegenwärtige Moment so stark verlangsamt, dass sich mein Gehirn seltsam anfühlte. Doch auch dass erzählte ich niemandem und behielt es für mich. Ein paar Jahre später konnte ich dann plötzlich keine Nacht mehr schlafen. Ich musste ja am nächsten Tag in die Schule und dass war sehr schwer, wenn man die ganze Nacht hellwach blieb.

Ich probierte dann verschiedene Sachen, unter anderem Baldrian-Tabletten. Diese Schlaflosigkeit war damals sehr belastend, da ich ja den Schultag überstehen musste. Als nächstes wurde ich Chemikalien sensibel. Wurde irgendwo mit Farbe gestrichen, bekam ich sofort fürchterliches Kratzen und brennen im Hals und in der Lunge. Lösungsmittel, Benzin und Putzmittel konnte ich von da an kaum mehr tolerieren. Ein paar Jahre später sprach mich ein Arzt auf eine Pupillendifferenz an, die er auf meinem rechten Auge feststellte. Keiner konnte mir die Ursache erklären. Diese Differenz war nicht permanent da. Ich habe mittlerweile starke Sehstörungen, genau auf diesem Auge.

Je älter sie wurde, desto mehr häuften sich die unerklärlichen Beschwerden

Umso älter ich wurde, umso mehr häuften sich meine unerklärlichen Beschwerden. Zeitweise zweifelte ich an mir selbst. Wie konnte es sein, dass ich ständig soviel wechselnde Symptome habe? Hatte ich wirklich ein Problem mit der Psyche, die meine Beschwerden verursachten, so wie es mir die Ärzte immer einreden wollten. Es ist wirklich kein Wunder das ich so dachte. Immer musste ich beweisen, dass mir wirklich etwas fehlte. Doch jeder Versuch wurde von den Ärzten widerlegt. Es konnte in meinem jungen Alter kein Problem mit meiner Gesundheit geben, außer dass ich wahrscheinlich zu viel im Internet über Krankheiten las. Und jedes Mal war es aufs neue eine Erniedrigung wie gewisse Ärzte mit mir sprachen. In welchem Tonfall und auf welch herablassende Art und Weise sie sich über mein Empfinden stellten und all meine Beschwerden herunter spielten.

Es gab eine Zeit, da ging ich fast alle paar Wochen zu einem anderen Arzt. Nicht weil es mir Spaß machte, sondern weil ich tatsächlich jede Woche etwas anderes hatte.

Ich tat dies um mir selbst zu helfen. Denn niemand möchte mit Anfang 20 ständige Schmerzen haben und immerzu an etwas neuem Leiden müssen. Leider bekam ich deutlich zu spüren, dass niemand der Ärzte mir in irgendeiner Weise helfen wollte. Meist waren es fünf Minuten die ich im Sprechzimmer war. Mit der Zeit entwickelte ich dann schon eine regelrechte Angst erneut zum Arzt zu gehen, weil ich ja wusste das mich niemand wirklich ernst nahm.

Schmerzen im Sprunggelenk, Hexenschuss, Thrombose…

Als ich 17 Jahre alt war hatte ich öfters starke Schmerzen in den Sprunggelenken. Keiner konnte mir sagen warum. Ich akzeptierte irgendwann die Tatsache, dass es so war und wickelte mir regelmäßig Verbände um den Fuß. Das stabilisierte und beruhigte das Gelenk. Meist hörte der Schmerz dann auch nach ein paar Tagen wieder auf. Ich erinnere mich, dass ein Arzt zu mir meinte, ich hätte wahrscheinlich Kapselentzündungen. Aber wieso, weshalb, warum blieb unklar. Ich empfand mich auch öfters als schneller erschöpft, wenn ich mich mit anderen verglich. Doch ich versuchte einfach alles so gut wie möglich zu bewältigen. Mit 17 Jahren hatte ich einen so starken Hexenschuss, dass ich keine Treppe mehr normal laufen konnte. Später konnte ich meinen Kopf nicht mehr drehen vor Schmerzen und bekam kurzzeitig eine Halskrause. Das mir ständig etwas anderes Beschwerden machte war für mich mittlerweile normal geworden. Mit 22 Jahren bekam ich eine Thrombose im linken Bein. Diese wurde mit zu niedrig dosierten Spritzen falsch behandelt und der Thrombus stieg an. Mehrere Ärzte erkannten dies nicht und ich hatte damals Glück, dass ich auf mein eigenes Gefühl gehört hatte und so lange zum Arzt ging, bis ich einen fand, der entdeckte dass der Thrombus bereits in der Leiste saß und man dringend handeln musste.

Leider sind seitdem meine Venenklappen kaputt und ich habe ständige Missempfindungen und oft ein starkes Hitze- und Schwere Gefühl im Unterschenkel des Beines. Dadurch kann ich nicht lange hintereinander sitzen. Ich muss das Bein bewegen, damit es durchblutet wird. Es lief damals einiges schief bei der Diagnostik und Behandlung. Ich als junger Mensch bin meiner Meinung nach zu Recht enttäuscht über die unzureichende Qualität der Behandlung. Schließlich hat man nur eine Gesundheit. Egal in welchem Alter man ist. Und gerade als junger Mensch hat man in der Regel noch das ganze Leben vor sich und ist angewiesen auf seinen Körper und seine Gesundheit.

Als weitere Symptome hinzukamen, ging Isbaell Maria in eine neurologische Klinik

Nach diesem für mich schwierigen Erlebnis, ließ das nächste „Symptom“ nicht lange auf sich warten. Ich bekam starke Kiefergelenksschmerzen, Zahnfleischbluten, und war ständig erkältet. Ich erinnere mich an eine FSME-Impfung die ich circa 2010 bekam. Nach dieser Impfung erlitt ich einen ohnmachtsartigen Zustand. Mir wurde schwarz vor Augen und ich kippte weg. Anschließend wurde ich krank und bekam Fieber. Im Nachhinein habe ich das Gefühl, dass diese Impfung noch der letzte Tropfen auf dem heißen Stein war. Denn die Symptome, die sonst nur sporadisch auftraten, häuften sich nun mehr und mehr. Ich hatte fast keinen Tag, an dem mal nichts war. Ich bekam unerklärliches Stechen am ganzen Körper, oft in der Rippengegend. Teilweise waren die Schmerzen so stark, dass ich kaum gehen konnte. Dann hatte ich permanent trockene Augen, Halsschmerzen und Mandelentzündungen. Als nächstes höllische Kopfschmerzen, die wochenlang anhielten, sowie Arme und Beine welche ständig einschliefen und zeitweise kribbelten. Ich erinnere mich noch daran, dass ich damals nachts aufwachte und meine kompletten Beine nicht mehr spürte. Das hatte ich eine Zeitlang jede Nacht. Ich ging deshalb stationär in eine neurologische Klinik, in der man aber keine Ursache für meine Symptome fand. Meine Beschwerden wurden wiedermal als psychosomatisch abgetan.

Irgendwann bekam ich Schmerzen in der Hüfte und konnte nicht mehr bergauf gehen. Ich ging zu einem Chiropraktiker welcher mich leider unseriös behandelte und stark mobilisierte. Danach brach mein Körper wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Mein Becken war plötzlich schief, und ich hatte starke Schmerzen beim Laufen. Ich musste drei Jahre lang mit Bandagen und Krücken gehen. Die Schmerzen waren so unerträglich, selbst im Liegen waren sie da. Im MRT fand man einen Gelenkerguss. Doch niemand hatte eine Erklärung dafür. Zu dieser Zeit hatte ich durch eine Katze, Flöhe in der Wohnung. Mein Körper war mit Bissen übersät, die fürchterlich juckten. Damals wusste ich nicht, dass Flöhe dazu in der Lage sind Infektionskrankheiten wie Bartonellen, Rickettsien sowie Borrelien zu übertragen. Anschließend ging es mit meiner Gesundheit immer mehr bergab. Ich bemerkte ständiges Herzstolpern. Das hatte ich mittlerweile fast täglich. Doch ich versuchte dem Ganzen nicht so viel Aufmerksamkeit zu schenken. Dazu kamen zeitweise regelrechte Zitter-Anfälle, öfters wenn ich meine Wohnung sauber machte und mich körperlich betätigte. Mein Körper wurde immer instabiler. Nach leichten Physiotherapie-Übungen zog ich mir einen Sehnenanriss im Arm zu. Es schien als wären meine Sehnen überhaupt nicht mehr stabil wie sonst. Ich konnte nichts schweres mehr heben oder tragen, oft kugelte ich mir meine Schulter aus. Das war sehr schmerzhaft. Eine Weile mussten mir andere Leute beim Haare waschen helfen, da ich dies mit dem  Arm nicht mehr schaffte. Meine Knie fingen an zu knacken und entzündeten sich. Wenn ich Treppen stieg, verhakten sich die Kniescheiben. Außerdem bekam ich Sehnenschnippen in beiden Armen. Dann taten mir plötzlich die Handgelenke weh, ich konnte keine Flaschen mehr öffnen. Selbst Türen wurden mir zu schwer und ich brauchte permanente Hilfe im Haushalt und alltäglichen Leben.

Verdacht Ehlers-Danlos-Syndrom

Als dann meine Halswirbelsäule immer instabiler wurde ging ich erneut zum Orthopäden. Er sprach mich darauf an, dass ich eventuell das Ehlers-Danlos-Syndrom, eine seltene Bindegewebserkrankung habe. Ich stellte mich dann in der Uniklinik Lübeck bei einer Spezialsprechstunde vor. Dort wurde die klinische Diagnose EDS vom hypermobilen Typ gestellt. Aus meiner Sicht passte das alles. Die Ärztin dort sagte auch, dass es oft nicht genetisch nachzuweisen sei.

Denn der Gentest den ich gemacht hatte war negativ gewesen. So versuchte ich also irgendwie mit dieser Diagnose, von der ich dachte sie stimmte, meinen Alltag zu bewältigen. Es war schwer mit Anfang 20 schon so eingeschränkt zu sein. Trotzdem kämpfte ich mich so gut es ging ins Leben zurück. Es dauerte einige Zeit bis ich mich etwas stabilisiert hatte. Ich war nicht gesund wie andere. Doch ich konnte damit umgehen und hatte meinen Weg gefunden mich mit meinem Zustand zu arrangieren. Meine Halswirbelsäule festigte sich, wofür ich sehr dankbar war. Denn dieser tonnenschwere Kopf, welchen ich plötzlich nicht mehr halten konnte, machte mir ein normales Leben unmöglich. Ich erinnere mich noch daran, was für ein seltsames Gefühl sich in meinem Körper ausbreitete als ich damals diesen körperliche Einbruch hatte. Meine Wirbelsäule fühlte sich an wie lose, als würde sich in mir alles locker hin und her verschieben, ohne jeglichen Halt. Ich fragte mich selbst, was das wohl sei und es kam mir doch alles sehr seltsam vor. Als sich mein Körper nach einiger Zeit wieder festigte, war es, als wenn etwas in mir Ruhe gegeben hätte. Als sei der Spuk vorbei. Ich wusste nicht was es war, aber ich spürte das ich es überwunden hatte. Erstmal. Ich akzeptierte, dass ich nicht viel tragen konnte wie gesunde Menschen und benötigte deshalb bei großen Einkäufen immer Hilfe. Meine Erklärung dafür war nach wie vor das Ehlers-Danlos-Syndrom. So konzentrierte ich mich darauf, was ich noch konnte und das war Laufen. Selbst mit Schmerzen versuchte ich mich täglich zu bewegen. Dabei war ich sehr konsequent. Jeden Tag trainierte ich mich Schritt für Schritt darauf, mindestens acht Kilometer zu laufen. Manchmal auch zwölf.

Weiterleben, trotz Einschränkungen, Pläne schmieden, Ziele verfolgen

Meist war mein Wille dabei Größer als alles andere. Ich war so eine Kämpfernatur und wollte mir trotz Schmerzen nicht nehmen lassen was ich liebte. Das draußen sein in der Natur befreite mich und tat mir gut. Ich ging egal bei welchem Wetter hinaus und schätzte meine wieder erlangte Freiheit sehr. Ich wusste nun das nichts im Leben selbstverständlich ist. Seitdem genoss ich jeden gesunden Moment umso mehr.

Zu der Zeit betreute ich alte Menschen die an Demenz litten. Manche direkt zuhause, andere im Altenheim. Außerdem war ich als Hospizbegleiterin tätig und begleitete im Sterben liegende Menschen in den Tod. Das war für mich eine ganz besondere und tolle Aufgabe. Ich lernte unfassbar viel über das Leben und machte wunderbare Erfahrungen mit Menschen, wenn auch nur für eine bestimmte Zeit. Mein sehnlichster Wunsch war es, einen Kurs zur Sterbebegleiterin für Kinder zu absolvieren. Ich hatte das fest als Ziel und dachte, dass das mein Lebensweg und Plan sei. Nebenbei schrieb ich Artikel für die lokale Zeitung, was mir viel Spaß bereitete. Ich hatte einige Hobbies und liebte es Musik zu machen. Ich schrieb und komponierte eigene Songs. Seit ich denken kann war ich musikalisch und mein Opa, der selbst Musiker gewesen war, hatte mir diese Gabe höchst wahrscheinlich in die Wiege gelegt. Ich hatte ganze Bücher voller eigener Musikstücke. Manchmal traf ich mich mit Freunden und dann machten wir Musik. Ich liebte es zu singen oder auf der Gitarre zu spielen. Damals war ich mir sicher, dass mir das niemand wegnehmen könnte. Egal wie schlecht es mir einmal gehen würde. Da hatte ich mich sehr getäuscht. Denn das Unbekannte, was zu dem Zeitpunkt schon in mir war, sollte in Zukunft alles ändern. Das war mir damals nur nicht bewusst. Heute bin ich froh, dass ich noch so viele Reisen gemacht habe. Ich war unter anderem in Indien, Sri Lanka, Bali, Island und fühlte mich allgemein in der Welt zuhause. Ich war dankbar über jede neue Erfahrung die ich machte und war dabei sehr zufrieden mit meinem Leben. Für mich war es ein guter Ausgleich zuhause alte, sterbende Menschen zu begleiten und mich dann woanders wieder aufzutanken und anderen etwas von meiner neu geschöpften Lebensenergie abzugeben. Ich hatte Kontakt zu einer neu gebauten Hospizeinrichtung für wohnungslose Witwen in Indien aufgenommen. Mein neuer Plan war es, dass Projekt als Helferin vor Ort zu unterstützen. Leider sollte es dazu nicht mehr kommen.

Über Borreliose und CO-Infektionen wusste sie nichts

Als ich 2017 mit meinem Hund auf der Wiese lag, bemerkte ich nach kurzer Zeit, dass meine Beine über und über mit seltsamen schwarzen Punkten übersät waren. So etwas hatte ich vorher noch nie gesehen. Ich rannte nach Hause, sprang unter die Dusche und dachte, damit sei alles erledigt. Meine Mutter und mein Freund hatten die „Punkte“ gesehen. Ich fragte ob das Zecken seien. Aber 50 Nymphen auf einen Haufen, hatte niemand von uns zuvor gesehen. Ich war schockiert. Sollten das wirklich Zecken gewesen sein? Kurze Zeit später bemerkte ich, dass auf allen Wiesen rund um unser Haus „Nester“ waren, in denen sich die Nymphen nur so tummelten. Es kam mir gruselig vor. Ich wusste jedoch damals nichts über Zecken, Borreliose und die Co-Infektionen, die dadurch übertragen werden konnten. Irgendwann hatte ich dann auch noch einen Zeckenstich in der Kniekehle, den ich jedoch relativ schnell entfernte. Eine Wanderröte hatte ich in der ganzen Zeit nie. Ich dachte damals, solange ich keine Wanderröte bekomme, ist auch eine Borreliose Infektion nicht möglich. Im selben Jahr bekam ich zwei mal seltsame Umkipp-Zustände, die ich mir nicht erklären konnte.

Im Jahr 2018 übernahm ich mich körperlich. Ich reiste mehrmals in verschiedene Länder, außerdem belegte ich dazu noch einen Ballett Kurs. Ich hatte vor ein paar Jahren nie daran gedacht, dass es mir gesundheitlich möglich sein wird zu tanzen. Umso mehr freute es mich, dass es tatsächlich Realität geworden war. Ich versuchte ganz bewusst auf meinen Körper zu hören und wahrzunehmen, wenn es zu viel wurde. Für mich grenzte es damals an ein Wunder, dass ich erst jahrelang krank war, kaum schmerzfrei laufen konnte und es nun möglich war meinen Fuß und Körper zu belasten, ohne Schmerzen zu bekommen. Dafür war ich unendlich dankbar.

Wenn ich zurückblicke, bemerkte ich schon ein paar Monate vor dem großen Ausbruch eine gewisse Unfähigkeit mich zu konzentrieren. Nach meiner letzten Reise auf die Seychellen im Jahr 2018 veränderte sich mein Leben von einem Tag auf den anderen. Schon während der Reise bekam ich eine starke Lichtempfindlichkeit, und hatte zeitweise Muskelzucken. Da ich seltsame Symptome gewohnt war, dachte ich mir dabei noch nicht viel. Ich drängte meine Gedanken zurück und sagte zu mir selbst, dass mein Körper nur mal wieder rum spinnt.

Das dies meine letzten Tage als normaler Mensch, in normaler Freiheit sein sollten ahnte ich nicht. Auf den Seychellen hatte ich Kontakt zu einem Hund, der auf einer einsamen Insel lebte, ganz ohne einen Besitzer. Ich war so naiv das Tier ausgiebig zu streicheln, denn Tiere und Natur waren genau mein Ding. Ich hatte keine Angst davor mir irgendetwas einzufangen. Soweit dachte ich gar nicht. Als ich fünf Tage später zurück in Deutschland war, nahm der Horror seinen Lauf. Ich bekam kollabierungsartige Zustände. Ich hatte wie jeden Tag meinen üblichen Sport gemacht und plötzlich war es, als würde mir etwas die Durchblutung abdrücken. Ich bekam Panik, zitterte und legte mir Eis auf die Stirn um mich zu beruhigen. Diesen Umkipp-Zustand hatte ich im Jahr 2017 bereits gehabt. So versuchte ich mir wieder gut zuzureden. Es wird vorbeigehen. Ganz bestimmt. Ein paar Tage später ging ich mit meinem besten Freund einkaufen. Im Supermarkt passierte dann genau dasselbe. Ich hatte das Gefühl gleich umzukippen. Doch da war noch etwas Neues. Plötzlich war es, als würde mein Hirn explodieren. Als würde irgendetwas in meinem Gehirn diesen Zustand auslösen. Ich fühlte mich wie gelähmt, bekam Panik und konnte nicht mehr geradeaus laufen. Ich wusste nicht mal mehr, wie ich aus dem Supermarkt kommen sollte. Es war die Hölle. Ich legte mich in das Auto meines Freundes und trank Wasser. In dem Moment hatte ich das Gefühl, dass etwas gewaltiges nicht stimmte. Mein Gefühl sagte mir auch, dass dies keine leichte Sache sei, die einfach wieder wegginge. Wie recht ich doch hatte.

„Als wäre meine Muskelfunktion wie ausgeschalten“

Erst war alles nur in meinem Hirn und ich spürte das mein Nacken seltsam kribbelte. Ich und mein bester Freund hatten uns für eine Testwanderung einer neuen Trekkingroute in der Sächsischen Schweiz beworben. Zu unserer Überraschung wurden wir ausgewählt. Trotz meiner seltsamen Kopf-Symptome beschloss ich die 5-tägige 130 Kilometer Wanderung zu versuchen. Es war schon lange mein Wunsch gewesen, eine mehrtägige Trekkingtour zu machen. Bei dieser Wanderung habe ich das erste mal seit Jahren einen Rucksack über mehrere Tage getragen. Zu dem Zeitpunkt war ich körperlich noch sehr fit. Nur mein Kopf machte was er wollte. Ich bekam ständige Panik Attacken, die ich vorher nie hatte und fühlte mich nicht mehr wie ich selbst. Ich hatte das Gefühl, dass etwas, was ich nicht beeinflussen konnte mein Gehirn steuerte. Als wir abends in der Trekkinghütte ankamen, in der wir übernachten sollten, überfiel mich erneut eine unfassbar starke Panik. Ich hatte das Gefühl in meinem Hirn ist etwas, was da nicht hingehört. Ich bemerkte auch Schluckprobleme und vorwiegend fühlte ich mich auf der rechten Gehirnhälfte komisch. Nach dieser Wanderung verschlechterte sich mein Zustand drastisch. Ich war anschließend noch auf einem Konzert von „a Perfect Circle“, was für mich der totale Horror war, weil ich auch da meinen Körper nicht mehr kontrollieren konnte. Ich bekam Panik, zitterte, fühlte mich schwach, regelrecht vergiftet. Eines Tages änderte sich mein körperlicher Zustand nochmals schlagartig. Ich machte wie gewohnt Ballettübungen und versuchte mich abzulenken. Plötzlich bemerkte ich, dass sich mein Körper mehr dehnen lies als sonst. Ich hatte das Gefühl, dass ich überall locker wurde. Meine Sehnen dehnten sich und  ich konnte meinen Körper nicht mehr zusammenhalten. Es war als wäre meine Muskelfunktion wie ausgeschalten. Das ganze erinnerte mich an meinen damaligen Zusammenbruch und mir schoss der Gedanke “Es ist wieder da“ in den Kopf. Das war der letzte Tag an dem ich Ballettübungen machte. Denn seit diesem Tag war mein Leben nicht mehr so wie vorher. Ich hatte alles verloren. Meinen Körper, meine Selbstständigkeit, meine Hobbies, meine Träume und Ziele und letztendlich sogar den Glauben an das Gute im Leben. 

Odysee – die Zweite

Als erstes ging ich zu meiner Hausärztin, diese nahm mich natürlich überhaupt nicht Ernst. Ich äußerte sogar Borreliose und dass es vielleicht gut wäre das testen zu lassen, da unsere Region ja sowieso Zecken-Risiko-Gebiet sei. Sie sagte, wenn ich keine Wanderröte habe, kann ich auch keine Borreliose haben. Damit war das Thema für sie erledigt. Ansonsten meinte sie, dass meine Beschwerden rein psychischer Natur wären. Die Panik die ich schildere, wären einfach Panikattacken. Aber dass ich eigentlich überhaupt keine Angst hatte, mich aber etwas steuerte, brauchte ich dieser Frau gar nicht versuchen zu erklären. Für sie war ich sowieso schon die Bekloppte. Was für ein grausames Gefühl, wenn man genau weiß, dass etwas nicht stimmt, es aber nicht geglaubt wird, egal wie sehr man versucht es zu erklären.

Der erste Standard-Borreliose-Test war negativ

Als nächstes schleppte ich mich irgendwie in ein privates Labor und ließ einen Standard-Borreliose-Test durchführen. Dieser war negativ. Damit hakte ich das ganze ab. Denn damals war mir nicht klar, dass viele Tests falsch-negativ sein können.

Ich versuchte irgendwie klar zukommen. Mich zusammen zu reißen. Doch es ging nicht. Wieder kollabierte ich, sah Sternchen vor meinen Augen sobald ich mich bewegte. Zitterte, spürte meine Beine, meinen Körper nicht mehr. Mein ganzes System brach zusammen. Ich fühlte mich gefangen in der Hölle. Verzweifelt rief ich meinen besten Freund an und bat ihn mich ins Krankenhaus zu bringen. Leider wohnte ich im vierten Stock und hatte keine Ahnung wie ich die Treppe hinunter kommen sollte. Ich weinte. Mit der Hilfe meines Freundes setzte ich mich auf die oberste Treppe und ließ mich von einer zur anderen fallen, wie ein nasser Sack. Mein Körper hatte keinerlei Spannung mehr. Das letzte Stück stützte mich mein Freund. Ich kam mir so gefangen vor. Gefangen in meinem Körper, der einfach nicht mehr funktionierte. Ich sah die Nachbarn draußen, wie sie im Garten pflanzten. Wie gerne ich mit Ihnen getauscht hätte. Was hatte ich nur getan, dass ich so etwas schlimmes durchleben musste. Auf der Fahrt zum Krankenhaus dachte ich erneut ich sterbe. Ich versuchte den Ärzten in der Notaufnahme zu erklären, dass alles nach dem Auslandsaufenthalt anfing. Ich zeigte Ihnen auch meinen schriftlichen EDS-Befund. Niemand ging darauf ein. Am Schluss kam eine Ärztin zu mir, deren Worte heute noch in meinen Ohren hallen. Sie sagte ganz überzeugt: „Sie haben sowieso nichts. Das können wir Ihnen jetzt schon sagen“. Wie bitte? Das saß. Das tat weh. Das war eine so unverschämte Antwort. Eine Antwort auf die man keine Gegenantwort findet. Ich war baff. Ich konnte nicht mehr alleine laufen, war die Treppen meines Hauses auf dem Hintern runtergerutscht und die sagen ich habe nichts? Warum sagen die das? Warum denken die ich spinne? Warum ist das hier eine Universitätsklinik?

Erneut war ich gezwungen in diesem Zustand nach Hause zurückzugehen, wo ein normales Leben nicht mehr möglich war.

Der Weg führte sie ins Tropeninstitut

Meine Halswirbelsäule wurde immer lockerer und ich schob es dann darauf. Ich dachte wieder an das Ehlers-Danlos-Syndrom, was mir 2014 klinisch diagnostiziert wurde. Ich konnte mittlerweile nichts mehr. Ich fühlte mich komplett vergiftet, hatte massive Schluckprobleme, konnte meinen Körper nicht mehr wahrnehmen. Meine Beine wurden immer schlaffer. Es war als breche mein ganzer Körper in sich zusammen. Selbst essen wurde zur reinsten Tortur. Anfangs versuchte ich täglich Muskelaufbauübungen zu machen. Jedoch verschlimmerte das meinen Zustand nur mehr. Ich ließ mich ins nächstgelegene Tropeninstitut fahren. Da ich kurz vor dem Ausbruch der Krankheit im Ausland gewesen war, lag es für mich nahe tropische Krankheiten ausschließen zu lassen. Ich sprach den Arzt außerdem auf eine mögliche Borreliose-Erkrankung an. Er winkte nur ab und sagte, dass er davon nichts halte. Und dass fast jeder Borrelien in sich trage, die aber nichts machen würden. Da ich sonst nichts darüber wusste, glaubte ich ihm. Der Arzt schlug vor, dass ich stationär im Krankenhaus aufgenommen werden sollte.

Ich hatte Angst. Denn meine damaligen Erfahrungen mit Ärzten und Krankenhäusern waren nicht die besten. Ich wollte nicht, dass mir diesmal wieder keiner glaubte. Außerdem wusste ich gar nicht, wie ich in meinem jetzigen Zustand schaffen sollte im Krankenhaus zurecht zu kommen. Meine Beine wurden immer schwerer und zogen mich wie Blei nach unten. Ich konnte kaum stehen und gehen. Irgendetwas schnürte meine Kehle zu, ich konnte nicht schlucken, bekam unkontrollierte Panik wenn Leute mit mir sprachen. Außerdem entwickelten sich bei mir plötzlich POTS-Symptome. Ich hatte Herzrasen wenn ich ein paar Meter ging, gleichzeitig fühlte ich mich permanent als würde ich umkippen. Ich wusste nicht was mit mir los war. Das hatte ich vorher alles nie gehabt.

Diagnose POTS- Posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom

Im Krankenhaus bekam ich dann die Diagnose POTS- Posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom. Die Ärzte meinten, dass wäre bei jungen Frauen relativ häufig. Ansonsten behandelte mich die Neurologin, als würde ich mir alles nur einbilden. Ich musste im Rollstuhl geschoben werden, weil ich nicht mehr als ein paar Meter gehen und auch nicht mehrere Minuten am Stück stehen konnte. Die Neurologin belächelte mich und sagte: „Nun stehen Sie doch endlich mal aus Ihrem Rollstuhl auf. Das geht schon!“ Nach einigen anderen unverschämten Kommentaren wie: „Sie haben einfach zu viel im Internet gelesen“ und „Machen Sie doch mal Ihre Handbandage ab, die brauchen Sie doch gar nicht“ wehrte ich mich. Ich sagte, dass sie mir gegenüber ein menschenverachtendes Verhalten habe und das nicht in Ordnung sei. Das ich nicht zum Spaß hier bin und mich mal aus Jux im Rollstuhl durch die Gegend schieben lasse. Ich hatte damals MRT Befunde mit, die zeigten, dass ich eine Instabilität in der Halswirbelsäule habe, des Weiteren habe ich die klinische Diagnose Ehlers-Danlos-Syndrom schriftlich vorliegen. Doch selbst mit diesen „Beweisen“ wurde ich wie ein Lügner und Spinner behandelt. Ich bat auch dort um einen Borreliose-Test. Die Bitte wurde abgelehnt.

Es war unerträglich was da ablief. Ich bekam zu guter Letzt noch ein MRT mit Kontrastmittel was ja bekanntlich hoch schädlich ist. Ein weiteres lehnte ich ab. Es wurde ein MRT vom Gehirn gemacht, welches nicht auffällig war, außerdem irgendwelche Nervenmessungen. Danach wurde ich als „Psycho“ entlassen. Ich konnte kaum ein paar Meter gehen. Bei der Entlassung sagte die Ärztin: “Naja, Sie müssen ja kein Tennis spielen.“ Tennis spielen? Ich kämpfte hier gerade um existenzielle Sachen wie laufen, stehen, sitzen und die redet von Tennis.

Ihre Angst vor Krankenhäusern verfestigte sich

Diese Erfahrung war genauso wie ich sie erahnt hatte. Meine Angst vor Ärzten und Krankenhäusern verfestigte sich nach diesem Erlebnis. Ich konnte nun kaum mehr als Beifahrer im Auto sitzen, da ich meinen Kopf nicht halten konnte und mein Gehirn nicht mehr funktionierte. Mich überforderte alles. Wenn ich zu schnelle Bilder auf dem Fernseher sah, konnte ich diese nicht mehr verarbeiten. Nachts wachte ich mit Todesangst auf, bekam Herzrasen und dachte ich sterbe. Ich hatte massive Sehstörungen sah alles verschwommen. Dann kam noch eine bleiernde Müdigkeit hinzu. Besonders nach dem Essen fühlte ich mich wie tot und konnte kaum die Augen offen halten. Diese Zustände wurden mit der Zeit immer schlimmer.

Später entwickelte ich dazu auch noch Brain Fog, sogenannten Hirnnebel. Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Zeitweise begriff ich nicht, was mein Freund mir erzählte und wenn ich einen Antrag für ein Amt ausfüllen musste verstand ich die Zusammenhänge nicht. Ich erschrak vor mir selbst. Das war nicht mehr ich. Ich hatte täglich wechselnde Symptome, doch die Instabilität und dass meine Muskelfunktion wie ausgeschalten war, belastete mich am meisten. Ich versuchte alles um irgendwie Muskeln aufzubauen. Ich konnte jedoch, egal wie schonend oder speziell die Übungen waren, keinerlei Besserung erzielen. Mein Körper zitterte nur noch. Das bemerkte auch die Physiotherapeutin, die zum Hausbesuch kam. Ich war gar nicht in der Lage irgendwelche Übungen zu machen. Es war die reinste Qual.

Die Hausärztin tat meinen immer schlechter werdenden Zustand weiterhin ab und meinte ich wäre selbst Schuld, dass ich keine Muskeln aufbaue. Ich sollte eben etwas dafür tun. Aber ich tat doch alles. Es ging einfach nicht. Es war als fehlten Stoffe, oder als würden gewisse Prozesse nicht mehr ausgeführt werden können um die Muskeln zu aktivieren oder aufzubauen. Meine Arme wurden immer schlaffer. Erst der rechte, dann nach einiger Zeit der linke. Die Spannung war weg und wenn ich ein Glas nahm und trinken wollte, haute ich es mir oft gegen die Zähne weil einfach der Arm so locker und schlaff war, dass ich meine Bewegung nicht mehr richtig kontrollieren konnte. Verzweifelt schleppte ich mich dann zu einem Umwelt-Mediziner. Ich konnte kaum im Wartezimmer sitzen. Mein Hirn drehte durch. Ich bekam Panik, konnte meinen Körper nicht aufrecht halten, es war als würde mir jemand die Kehle abdrücken. Ich fühlte mich ständig als würde ich umkippen, sterben. Sobald ich den Kopf nach rechts drehte, hatte ich das Gefühl sofort zu kollabieren. Ich litt so sehr. Ich wusste nicht, wie ich das überleben sollte. Dann geschah, was ich anfangs schon geahnt hatte.

Der erneute Borreliose-Test war positiv

Ich bat erneut um einen Borreliose-Test. Meine Vermutung wurde bestätigt. Ich hatte einen positiven Borreliose -efund. Als erstes fiel mir ein Stein vom Herzen, nun wusste ich endlich das ich nicht bescheuert war. Alles hatte eine Ursache. Nur war mir zu dem Zeitpunkt nicht klar, was für ein weiterer Kampf nun bevor stehen würde. Der Arzt hielt es leider nicht für nötig die Co-Infektionen testen zu lassen und wollte mir auch kein Antibiotika verschreiben. Ich hatte mich inzwischen schon etwas eingelesen und wusste, dass man Co-Infektionen unbedingt testen lassen sollte. Ich vertraute auf mein Gefühl und suchte einen Borreliose Spezialisten auf. Zum ersten mal wurden meine Beschwerden ernst genommen und ich konnte mich nach langer Zeit jemandem anvertrauen. Da der Arzt selbst Betroffener war, konnte er mich umso besser verstehen. Er testete mich erneut in einem anderem Labor, dem Deutschen Chroniker Labor. Ergebnis: Alle getesteten Borrelien-Stämme waren positiv. Außerdem die Co-Infektionen Bartonellen, Rickettsien, Ehrlichia, Chlamydia und dazu noch eine aktive Babesien-Infektion. Ich war geschockt und erleichtert zugleich. Denn endlich wusste ich was ich hatte.

Behandlung mit Antibiotika-Infusionen

Da ich direkt nach der Seychellen-Reise massiven Lufthunger bemerkte, vermute ich dass ich mir die Babesien Infektion dort eingehandelt hatte. Ich wurde nun mit Antibiotika Infusionen behandelt. Nach einiger Zeit wechselte ich zu einem anderen Arzt. Dort wurde eine Kombinationstherapie gemacht die mir mit einigen schlimmen Symptomen half. Das kollabieren, die Panik und das „ich sterbe sofort“ Gefühl wurden damit deutlich besser. Natürlich war die erste Zeit mit Antibiotika totaler Horror, da sich erst mal alle Symptome verstärkten. Typisch für eine Herxheimer-Reaktion, bei der die Bakterien absterben. Ich fühlte mich komplett vergiftet, jeder Atemzug war wie sterben, ich konnte keine Minute stehen oder geradeaus laufen. Bis zum Bad zu kommen grenzte an eine Mount Everest Besteigung. Ich war am Ende. Ich konnte nicht mehr und war mir sicher, dass es mit mir zu Ende geht. Anders konnte es nicht sein. So etwas kann man nicht überleben.

Mimten Bartonellen nur das  Ehlers-Danlos-Syndrom?

Eine sehr nette Borreliose-Ärztin berichtete mir später etwas, was für mich sehr wichtig sein sollte. Sie frug mich, ob ich das Ehlers-Danlos-Syndrom hätte. Ich war überrascht und erzählte ihr von meiner klinischen Diagnose. Daraufhin sagte sie, dass sie auf einem kürzlichen Borreliose-Kongress gehört hatte, dass Bartonellen EDS-artige Symptome mimem. Sie zeigte mir sogar eine Studie dazu (siehe Anhang). Bartonellen hatte ich eindeutig. So zweifelte ich inzwischen immer mehr an der EDS-Diagnose.

Mittlerweile sind seit dem Ausbruch fast zwei Jahre vergangen. Ich habe seit dieser Zeit nicht mehr selbst gekocht, war nicht mehr einkaufen, allein etwas erledigen, geschweige denn alleine draußen. Ich kann nur mit Begleitung hinaus. Durch den Muskelschwund kann ich leider nicht mal die Haustür öffnen, ich breche dann fast zusammen wenn ich es versuche. Meine Wirbelsäule fühlt sich an, als würde sie durchbrechen, meine Arme hängen schlaff ohne jegliche Spannung nach unten. Ein Glas Wasser zu heben ist eine Herausforderung. Ich fühle mich als wären meine Knochen wie ausgesaugt. Einfach aus Glas. Und meine Sehnen fühlen sich an als wären sie zu lang gekochte Spaghetti. Ausgeleiert und unfassbar schnell verletzbar. Ich hatte einen Sehnenanriss im Finger, ohne das ich mich an einen bestimmten Vorfall erinnern konnte. Ich bekam regelrecht das Gefühl, dass mich etwas auffrisst. Vor einem Jahr konnte ich keinen Löffel mehr halten, weil meine Finger so zitterten vor Schwäche. Die Muskeln waren weg, einfach „Out of Order“. Wenn ich stand, hatte ich das Gefühl im Boden zu versinken, weil meine Beine schwer wie Blei waren. Ich spürte keinerlei Muskeln im Rücken und fühlte mich wie eine Brausetablette die sich im Wasser auflöst. Das Fatique-Gefühl wurde so schlimm, dass ich mich kaum auf dem Sofa umdrehen konnte, so anstrengend war plötzlich alles. Ich fühlte eine tonnenschwere Last in meinem Körper.

Der Hausarzt verwies sie der Praxis

Mit weiterer Antibiotika Behandlung besserte sich der Fatique Zustand. Sobald ich spezielles Antibiotika nehme, ist auch mein Hirn wieder klar. Nur wenn ich es absetze, kommt meist schnell der Hirnnebel zurück. Für eine spezielle Kombinationstherapie habe ich Spenden sammeln müssen, da ich nicht genügend Geld hatte, diese selbst zu bezahlen. Als ich damals einen erneuten Versuch unternahm einen Hausarzt aufzusuchen um ihm meine Unterlagen zu zeigen, machte ich erneut eine schockierende Erfahrung. Als ich dem Arzt sagte, dass ich neben Borreliose nachgewiesene Babesien-, Bartonellen- und Rickettsien-Infektionen hatte, schmiss er mich aus seiner Praxis. Mit der Begründung, ich sei ihm zu kompliziert. Ich war zutiefst schockiert. Wie kann so etwas passieren. Ich war ein junger Mensch, schwer erkrankt und brauchte Hilfe. Wie konnte es sein, dass ich einfach nicht behandelt wurde? Oder hatte der Arzt Angst zuzugeben, dass er die Infektionen nicht kannte? Etwas seltsam war die Tatsache, dass im Wartezimmer Prospekte lagen, die den Patienten über von Zecken übertragene Infektionskrankheiten informieren sollten. Wahrscheinlich hatte er sie selbst nie gelesen.

Von jedem Hausarzt, Kassenarzt oder Krankenhaus bekam ich das Gefühl vermittelt, ich würde spinnen. Wie kann das sein? Warum dürfen manche Ärzte sich das Recht nehmen, einen so zu erniedrigen. Man hat keinerlei Chance mit Argumenten dagegen vorzugehen oder sich zu wehren. Und das sollte nicht sein.

Es gibt immer mehr junge Menschen, die chronisch erkranken und nicht wissen, an was sie leiden. Wie viele haben Borreliose und Co-Infektionen. Wie vielen wird gesagt, sie würden sich alles einbilden. Wie viele geben den Kampf auf und akzeptieren ihren „behinderten“ Zustand, weil sie von Hausärzten keine Hilfe bekommen. Wenn diese Hilfe und Aufklärung da wäre, gäbe es auch für diese Menschen wieder Hoffnung.

Man muss sich selbst über die Symptome und Krankheit informieren

Als erstes ist es wichtig zu wissen, an was man wirklich leidet. Und dann muss man sehen, welche Therapiemöglichkeiten zur Verfügung stehen. Dann kann auch die Hoffnung wieder kommen. Doch solange man im Dunkeln tappt, nur weil es laut Schulmedizin keine chronische Borreliose gibt, kann keine Zustandsbesserung eintreten. Natürlich muss man sich selbst informieren und teilweise sein eigener Arzt werden. Dennoch müssen Kassenärzte aufgeklärt werden über Infektionskrankheiten, Anzeichen und wie man diese erkennen und wirklich behandeln kann. Borreliose ist so eine verdammt schwere Krankheit. Kein Mensch hat es verdient etwas so schlimmes durchzumachen und dazu noch vom Arzt belächelt zu werden. Das darf einfach nicht sein. Wieso sollten sich Betroffene einbilden, dass sie Gehirnnebel, Fatique oder Denkstörungen haben. Es gibt keinen Zweifel. Chronische Borreliose existiert. Der Beweis sind die Betroffenen und die steigende Anzahl an neu Infizierten sowie chronisch kranken Menschen.

„Von Nicht-Betroffenen fühle mich mich eher unverstanden“

Ich wünsche mir einen Aufschrei von Allen. Einen Aufschrei gegen Ärzte, die sich für Götter in Weiß halten. Erst wer selbst einmal durch die Borreliose-Hölle gegangen ist weiß, wie sich das anfühlt. Außenstehende können versuchen sich das vorzustellen. Doch eigentlich ist das unmöglich. Kein normaler Mensch kennt Zustände wie diesen.

Gesunde Menschen können sich vorstellen wie es ist, sich zwei Jahre lang durchgehend 24 Stunden schwer krank zu fühlen. Den ganzen Körper nur mit Mühe und Not durch diese Zeit zu tragen und nicht zu wissen, ob man die nächste Situation überlebt oder stirbt, ist eine unfassbar große Belastung. Zeitweise möchte man lieber tot sein, als dieses Leid weiter über sich ergehen zu lassen. Aber viel mehr wünscht man sich zu leben. Nur nicht so. Man sehnt sich nach ganz normalen Dingen. Ohne Probleme sitzen und stehen zu können, einkaufen zu gehen oder etwas zu kochen. Ich wäre der glücklichste Mensch, wenn ich das alles plötzlich wieder könnte. Das aller schwerste ist wohl auch, immer wieder beweisen zu müssen, dass es einem wirklich schlecht geht. Dieses ums Überleben kämpfen und gleichzeitig noch beweisen müssen, dass man nicht mehr kann, grenzt an Übermenschlichkeit.

Die Instabilität meines Körpers hat sich bis jetzt leider nicht gebessert. Die Tatsache, dass ich immer weniger Muskeln habe und momentan vielleicht noch 15-20 Prozent Muskelkraft besitze, macht mir große Angst. Und dennoch muss ich es schaffen mich selbst zu retten. Diese Aufgabe lässt mich oft verzweifeln. Meine Halswirbelsäule ist so instabil und locker, dass ich oft Angst habe, bei einer einfachen Bewegung zu sterben. Es fühlt sich an, als würde man den ganzen Tag auf einem Seil in der Luft balancieren und dazu noch jonglieren. Es ist wie ein Kunststück, tagtäglich in so einem fragilen Körper zu überleben. Doch ich weiß, dass Borrelien und Co. Erreger Kollagen fressen. Ich habe immer genau dieses Gefühl, dass mich etwas auffrisst. Ich bete jeden Tag, dass ich die Kraft dazu habe weiter zu kämpfen und den für mich richtigen Weg zu finden. Für mich grenzt es tatsächlich an ein Wunder, dass ich noch da bin und diese Zeilen hier schreiben kann.

Dennoch bin ich verzweifelt. Verzweifelt, weil ich zu viele Infektionen gleichzeitig habe. Es keine Kassenärzte gibt, an die man sich in dieser schwerwiegenden Situation wenden kann. Und dann ist da natürlich noch die finanzielle Sorge, denn diese Krankheit frisst nicht nur die Gesundheit, sondern auch das Geld. Im Jahr 2019 bekam ich plötzlich ein fürchterliches Brennen auf der Kopfhaut und später fielen mir die Haare aus. Das war ein  riesiger Schock für mich, denn meine Haare waren mein ganzer Stolz. Ich hatte dickes, langes Haar, umso schlimmer war es, schlagartig so viele Haare zu verlieren. Es fielen nicht nur mal ein paar aus, es waren riesige Büschel die ich in den Händen hielt. Ich weinte und fühlte mich nun auch äußerlich nicht mehr schön. Warum musste mir diese Erkrankung nun auch noch meine Haare nehmen. Ich konnte es nicht verstehen. Notgedrungen bestellte ich mir Perücken, die ich im Notfall tragen konnte. Der Leidensdruck wurde immer größer und ich stellte mir täglich dieselben Fragen.

Wie lange brauche ich um gesund zu werden? Nehme ich die richtigen Medikamente, kann ich den Glauben, dass eines Tages alles wieder gut sein wird weiter aufrechterhalten? Oder breche ich unter der ganzen Last zusammen und gebe mich auf.

Ich versuche dabei immer noch an das Gute zu glauben und Dinge die gerade sind einfach auszuhalten. Doch wie viel erträgt ein Mensch? Es ist ein einziger Drahtseilakt, seine Gefühle, Gedanken zu ordnen. Denn es gibt bei dieser Krankheit keine klare Linie und keine Gewissheit. Auf die Frage welchen Schritt man denn als nächsten noch gehen kann um eine dringend benötigte Verbesserung zu erzielen, gibt es oft keine richtige Antwort. Man probiert aus und hofft.

Auch finanziell gesehen, ist es fast nicht machbar diese Krankheit zu „stemmen“.

Die Kosten der Behandlung sind so hoch, dass es kein Wunder ist, dass viele Betroffene sich keine fachgerechte Therapie bei einem Spezialisten leisten können. Es gibt vereinzelte Kassenärzte, die die Sache ernst nehmen und Langzeitantibiotika verschreiben. Vor diesen Ärzten ziehe ich meinen Hut. Jedoch auch vor den privaten Borreliose-Ärzten, die gezwungen wurden ihre Kassen-Lizenz abzugeben. Wir brauchen mehr Ärzte, die sich mit dieser komplexen Thematik befassen. Nur so kann den zahlreichen Betroffenen geholfen werden.

Von Nicht-Betroffenen fühle mich mich eher unverstanden. Wenn ich von Schüttelfrost, Knochenschmerzen und Lufthunger erzähle, fühle ich mich wie ein Außerirdischer. Nicht von dieser Welt. Das sage ich ganz ohne Vorwurf. Denn kein halbwegs normaler Mensch kann sich wohl in so etwas hineinversetzen. Ich hatte bis vor zwei Jahren auch nie Malaria-artige Knochenschmerzen, Fatique, Brain Fog, Schüttelfrost oder das Gefühl als sei mein ganzes Gewebe entzündet. Ich wusste, wie sich eine Erkältung anfühlt und wie es war starke Schmerzen zu haben. Doch diese „Extra-Zustände“ kannte ich damals nicht. Heute fühle ich mich teilweise, als hätte ich Krebs und Leukämie zusammen, so schwach und krank bin ich. Erst letztens sagte eine Krankenschwester beim Blut abnehmen zu mir: „Borreliose allein macht ja nichts“. Müssen denn erst alle am eigenen Leib erfahren, wie diese Krankheit sich tatsächlich anfühlt. Es ist traurig und tut weh, wenn man die Wahrheit kennt.

Freundschaften habe ich durch die Erkrankung fast keine mehr. Mein bester Freund ist geblieben. Er ist Gold wert und dafür bin ich sehr dankbar. Außerdem danke ich meinem Partner für seine Geduld, seine tagtägliche liebevolle Hilfe. Aber am meisten danke ich Ihm dafür, dass er mir glaubt.

Auch wenn er mir diese Hölle nicht abnehmen kann, schafft er es täglich mich zum lachen zu bringen, egal wie schlecht es mir geht. Das ist Glück. Und das Glück was mir geblieben ist schätze ich sehr. Ich vermisse mein altes Leben. Das wandern, die Bewegung, die Natur und die Freiheit alleine hinaus zu gehen, wann ich will. Jetzt ist alles anders. Doch eins habe ich gelernt. Ich bin stärker als ich dachte. Ich habe die Kraft, dass durchzustehen aus mir selbst geschöpft. Jeden Tag aufs Neue. Ich mache weiter. Und hoffe.

Meine Geschichte ist nur ein kleiner Einblick meiner durchgemachten Erfahrungen. Denn diese Hölle, die ich mit eigenen Augen gesehen und erlebt habe, werde ich nie eins zu eins genauso wiedergeben können. Es ist unmöglich für mich dieses Leid, diesen Horror in Worte zu fassen. Worte die es gar nicht gibt. Die Tag für Tag durchgemachten Erlebnisse der letzten zwei Jahre, haben mich stark traumatisiert. Das alles zu verarbeiten ist eine Sache für sich.

Jeder einzelne von euch hat reele Beschwerden. Keiner spinnt. Auch wenn das unwissende Ärzte immer wieder zu euch sagen. Die Tatsache ist, sie wissen es nicht besser. Unsere Geschichten sind da um das zu ändern.

Ich weiß nicht wie lang mein Weg sein wird und ob ich eine Chance habe, mich wieder wie ein normaler Mensch fühlen zu können. Ich habe Angst, große Angst. Wie lange ich das noch durchhalten kann. Das Leben zieht an einem vorüber und eigentlich hatte man soviel Pläne und Wünsche. Sich jeden Tag halbtot zu fühlen und trotzdem weiter zu machen ist keine leichte Aufgabe. Dazu das ständig auf Hilfe angewiesen sein, welches ein Gefühl der Hilflosigkeit und natürlich Zukunftsängste auslöst. Ich bin dankbar, dass Antibiotika mir bei einigen Symptomen helfen. Dennoch habe ich noch einen langen Weg vor mir.

Ich wünsche jedem einzelnen Betroffenen die Stärke, die er braucht um diesen Kampf nicht aufzugeben und die Hoffnung zu behalten. Hoffnung auf ein besseres Leben in menschlicher Würde. Hoffnung auf eine Anerkennung der Borreliose Erkrankung im chronischen Stadium.

Generell empfehle ich anderen Betroffenen das Deutsche Chroniker Labor gerne weiter, da ich mich dort gut beraten gefühlt habe mich und auch jederzeit wieder an das Labor wenden würde.

Anhang/Verwendete Quelle für Informationen zu Bartonellen: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5944489/ (ENG)

 

 

Borreliose Arzt Borreliosespezialist Borreliose Labor

Lena H. fühlte sich von den meisten Ärzten nicht ernst genommen

Lena H. spürte 2015 erste Symptome. Es folgten zahlreiche Untersuchungen, doch von den meisten Ärzten fühlte sie sich nicht ernst genommen. Erst nach rund fünf Jahren Leidensweg suchte sie einen Borreliosespezialisten auf.

Lena H. spürte 2015 erste Symptome. Es folgten zahlreiche Untersuchungen, doch von den meisten Ärzten fühlte sie sich nicht ernst genommen. Erst nach rund fünf Jahren Leidensweg suchte sie einen Borreliosespezialisten auf.

1. Wie fing bei Ihnen alles an, also wann haben Sie erste Symptome gespürt?

Ich habe die ersten Symptome 2015 gespürt. Mir fiel auf, dass ich immer weniger Kraft in der Muskulatur hatte, zum Beispiel beim Treppensteigen. Außerdem hatte ich häufige heftige Kopfschmerzen, die damals als Migräne bezeichnet wurden.

2. Wie hat sich die Erkrankung geäußert/welche Einschränkungen hatten Sie im Alltag?

Plötzlicher Beginn Ende 2015: Schwankschwindel, starke Erschöpfung und Gliederschmerzen wie bei einer Grippe, Muskelschwäche (ich konnte nur schwer die Treppe hoch gehen, keinen Sport mehr machen, Kopfschmerzen, Taubheitsgefühl linke Hand und linker Fuß, Gleichgewichtsstörungen, nicht ruhig gerade stehen können, Schlafstörungen, diffuse Atemnot.

3. Hatten Sie den Zeckenstich bemerkt oder kannten Sie die Ursache für die Symptome nicht?

Ich hatte 2014 eine kleine unauffällige Zecke, ohne Erythema migrans, ohne Beschwerden, Rötung etc. deshalb lies ich es damals so stehen und hatte es wieder vergessen. Erst ein Jahr später zeigten sich erste Beschwerden. Ich habe daher die Ursache für die Beschwerden nicht erkannt.

4. Wann haben Sie erstmals einen Arzt aufgesucht und wie lautete die Diagnose?

Sofort nach Beginn der Symptome Ende 2015. Er stellte keine Diagnose und fragte mich, ob es ein Burnout sei, ob ich viel Stress in der Arbeit hätte. Ich fühlte mich null ernstgenommen.

5. Haben Sie danach noch weitere Ärzte aufgesucht? 

Unzählige, Allgemeinärzte, Neurologen, Rheumatologen, Endokrinologen, Psychiater, Umweltmediziner, Uniklinik (Neurologie und Infektiologie)…

6. Welche Tests wurden bei Ihnen durchgeführt?

In Bezug auf Borreliose wurden igg, iga und igm gemessen. Igm war damals grenzwertig positiv, aber die Ärzte nahmen das nicht ernst und wollten keine weiteren Untersuchungen in Bezug auf Borreliose veranlassen.

Es wurde später sogar eine Liquorpunktion durchgeführt wegen Verdacht auf MS. Ich bat vor der Punktion die Ärztin, Borreliose unbedingt mit zu untersuchen. Nach der Punktion habe ich erfahren, dass Borrelien im Liquor nicht untersucht wurden, ich würde mir das einbilden, ich hätte keine Borreliose und chronische Borreliose gäbe es eh nicht. Ich war fassungslos.

7. Wann hatten Sie endlich Gewissheit, dass es sich bei Ihnen um Borreliose handelt?

Im August 2020, nachdem ich zu einem Borreliosespezialisten nach Würzburg gegangen bin und dort 1300 € für Beratung und Labor investiert hatte, kam die Diagnose Neuroborreliose.

8. Sind Ihnen Co-Infektionen bekannt, die zusammen mit der Borreliose auftraten (z.B. Rickettsiose, Babesiose, Epstein-Barr-Virus)?

Ja ich habe Epstein Bar, der immer mal wieder aktiv ist. Außerdem hatte ich Yersininen und Chlamydia Pneumoniae.

9. Wie wurde Ihre Borreliose behandelt?

Mit Antibiotika Kombinationen und mit Antiparasitenmitteln/ Antimalariamitteln sowie mit Fluconazol.

10. Trat eine Besserung auf, wenn ja, ab wann?

Eine Besserung trat bereits nach 2 Monaten ein.

11. Wie geht es Ihnen heute?

Mir geht es leider nicht gut. Ich leide an postviralen Erschöpfungssyndrom ME /CFS und bin mittlerweile arbeitsunfähig.

12. Was raten Sie Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind, wie Sie vor 6 Jahren?

  • jede Zecke in ein Labor einschicken und die Zecke untersuchen lassen
  • sofort, wenn Symptome auftreten oder der Verdacht auf Borreliose, zu einem Spezialisten gehen, denn nur diese Ärzte nehmen Borreliose ernst, auch wenn es leider fast nur Privatärzte sind
  • falls nicht sofort Kontakt zu einem Spezialisten aufgenommen werden kann, selbst Labor veranlassen, Spezial-Labore wie das Chroniker Labor beraten hierzu ihre Patienten sehr gut
  • nicht verunsichern lassen von Ärzten, die Borreliose nicht ernst nehmen
  • sich nicht als psychisch krank abstempeln lassen, wenn vorerst keine eindeutige Diagnose gestellt werden kann
Borreliose Kinder geschwollene Kniegelenke Foto Ivan Zhdan Stock.adobe

Andrea (56) erkrankte vermutlich bereits als Kind an Borreliose

Andrea (56) hatte als Kind mehrmals eine Zecke. An Borreliose dachte damals niemand. Mit 13 begannen die Schmerzen. Bis heute leidet sie darunter. Uns hat sie im Interview ihre Erfahrung geschildert.

Andrea (56) hatte als Kind mehrmals eine Zecke. An Borreliose dachte damals niemand. Mit 13 begannen die Schmerzen. Bis heute leidet sie darunter. Uns hat sie im Interview ihre Erfahrung geschildert.

1. Wie fing bei Ihnen alles an, also wann haben Sie erste Symptome gespürt?

Ich war als Kind mit meinen Eltern in Österreich wandern und hatte da zum ersten Mal nach einer Wanderung dicke und geschwollene Kniegelenke. Heute weiß ich, dass es wohl der Anfang der Borreliose war.

2. Wie hat sich die Erkrankung geäußert/welche Einschränkungen hatten Sie im Alltag?

Seitdem, mit 13 Jahren, habe ich ständig Schmerzen in den Kniegelenken, die sich im Laufe der Jahre auf den ganzen Körper ausgebreitet haben. Es folgten mehrere erfolglose Knie-Ops und eine  ständige Einschränkung der Beweglichkeit.

3. Hatten Sie den Zeckenstich bemerkt oder kannten Sie die Ursache für die Symptome nicht?

Ich hatte als Kind öfter Zecken, aber zu der damaligen Zeit war Borreliose überhaupt kein Thema.

4. Wann haben Sie erstmals einen Arzt aufgesucht und wie lautete die Diagnose?

Mit 13 Jahren ging ich zum ersten Mal zum Orthopäden. Im Laufe der Jahre habe ich viele Orthopäden aufgesucht, die viele verschiedene Methoden getestet haben. Alle zeigten keinerlei Besserung.

5. Haben Sie danach noch weitere Ärzte aufgesucht? 

Später kamen Depressionen dazu und so bin ich bei einem Neurologen gelandet. Dann ging ich in die Rheumaklinik bei uns. Dort wurde Fibromyalgie diagnostiziert und ich wurde an die Schmerzambulanz überwiesen. Ich habe auch einiges selbst ausprobiert: Osteopathie, Amalgan-Sanierung, Hypnose, Homöopathie wie Karde, verschiede Verhaltenstherapien, Psychater…

6. Welche Tests wurden bei Ihnen durchgeführt?

Es wurden verschiedene MRTs gemacht, Nerven getestet und eine Blutuntersuchung ergab Borrelien. Laut meinem Hausarzt, habe ich eine ausgeheilte Borreliose. Später, als eine neue Ärztin in der Schmerzambulanz die Leitung übernommen hat, wurde mir von ihr gesagt: “Eine Borreliose kann nicht ausheilen, wenn Sie nie Antibiotika genommen haben.” Bei einer Untersuchung beim HNO-Arzt wurde dann festgestellt, dass ich keine tiefen Töne höre. Dadurch wurde seiner Meinung nach die Diagnose Borreliose bestätigt.

7. Haben Sie einen Borreliose-Test beim Deutschen Chroniker Labor (DCL) durchführen lassen? 

Nein, bisher noch nicht, aber ich habe mich schon beraten lassen, welche Tests auf evtuelle Co-Infektionen Sinn machen würden. Da ich alleinerziehend bin und nur noch Teilzeit arbeiten kann, bin ich leider finanziell etwas eingeschränkt. Ich weiß auch noch nicht, wie viel mir diese Untersuchungen dann bringen. Angenommen, ich weiß, dass ich Borreliose und noch irgendeine Co-Infektion habe, dann muss ich jemanden finden, der es behandelt und den ich noch dazu von der Krankenkasse bezahlt bekomme. Bei uns gibt es sogar einen Spezialisten, der aber nur privat behandelt.

8. Wann hatten Sie endlich Gewissheit, dass es sich bei Ihnen um Borreliose handelt?

Eigentlich bin ich mir aufgrund der unterschiedlichen Ärztemeinungen immer noch nicht 100% sicher, dass es alleine daran liegt.

9. Sind Ihnen Co-Infektionen bekannt, die zusammen mit der Borreliose auftraten (z.B. Rickettsiose, Babesiose, Epstein-Barr-Virus)?

Bisher habe ich über den Hausarzt nur Toxoplasmose testen lassen. Das Ergebnis war negativ. Andere Infektionen können nicht über den Hausarzt getesten werden. Das müsste ich privat veranlassen und bezahlen.

10. Wie wurde Ihre Borreliose behandelt?

Ich habe in der Schmerzambulanz 3 Wochen Infusionen mit Antibiotika bekommen und dann noch 3 Wochen Tabletten. Das neueste Blutergebnis zeigt aber, dass immer noch Borrelien da sind.

11. Trat eine Besserung auf, wenn ja, ab wann?

Nach der Antibiose war eine leichte Verbesserung da, die aber nicht lange anhielt. Meine Schmerzärztin schickt mich jetzt für 10 Tage ambulant nach Vogelsang-Gommern zur Hyperthermie und Schmerzbehandlung.

12. Wie geht es Ihnen heute?

Ich bin jetzt 56 und kann nur halbtags arbeiten und schaffe alles andere nur noch mit Mühe. Ich habe durch Tabletten mindestens 25 kg zugenommen und jetzt bis auf Palexia alles ausgeschlichen, da es mir mit dem vielen Gewicht auch nur schlechter ging. Momentan beziehe ich bis Januar 2023 vorerst 50% Erwerbsminderungsrente, was mich natürlich finanziell etwas entlastet.

13. Was raten Sie Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind, wie Sie vor 13 Jahren?

Auf jeden Fall nicht aufgeben und nicht hinnehmen, dass die meisten Ärzte alles auf die Psyche und Depressionen schieben. Wenn man nicht gerade privat versichert ist oder viel Geld hat, muss man sehr viel Glück haben, wenn man einen Arzt findet, der es ernst nimmt und Ahnung hat. Ich glaube das ist wie ein 6er im Lotto.

Borreliose Krank Grippaler Infekt Magenschmerzen Gastritis Berlin

Borreliose und Co-Infektionen: Es begann 2015 mit grippalen Infekten

Der heutige Erfahrungsbericht kommt von einer 45-jährigen Berlinerin. Wie viele Borreliosekranke, wusste auch sie lange nicht, was die Ursache ihrer Beschwerden war. Ihr Leidensweg begann 2015. Erst spät wurde eine chronische Mischinfektion aus Borreliose und diversen Co-Infektionen festgestellt.

Hier ist ihre Geschichte:

„Ungefähr seit 2015/16 habe ich bemerkt, dass ich immer häufiger grippale Infekte und Erkältungen hatte, vor allem nach sehr anstrengenden beruflichen Phasen.

Hormonell wurde um 2017 festgestellt, dass ich keine verfrühten Wechseljahre (wurde zuerst über 3-4 Jahre lang angenommen), sondern einen absoluten LH-Mangel habe (Luteinisierendes Hormon). Eine Schilddrüsenunterfunktion wurde bereits 2010 festgestellt.

Um 2015/16 bekam ich immer häufiger starke Magenschmerzen. Eine Gastritis wurde diagnostiziert, die nicht ausheilen wollte. Eine Histamin-Intoleranz wurde nach langem Suchen erkannt und ich stellte meine Ernährung um. Leichte Magenschmerzen blieben, aber insgesamt weniger einschränkend.

Die häufigen Erkältungen und Nebenhöhlenentzündungen brachten mich 2016-18 mehrmals zum HNO-Arzt, ein CT brachte aber keinen Aufschluss. Auch Blutbilder bei der Hausärztin klärten nichts auf. Niedrige Leukozyten und starker Vitamin-D-Mangel waren aber bekannt und ich substituierte, ebenso wie für die Schilddrüse und für den LH-Mangel.

Der Gesundheitszustand verschlechterte sich stetig

Ab 2018 merkte ich, dass ich mich immer schlechter regenerieren konnte. Freie Tage und Wochenenden reichten kaum noch aus. Schlafen konnte ich zunehmend schlechter, lag nachts oft wach oder wachte extrem früh auf. Angespanntheit und leichte Unruhe kamen hinzu.

Ab Frühjahr 2019 trat ein Druckgefühl am Herz auf, ich hatte leichte Panikzustände und litt weiterhin an Unruhe. Der Schlaf war stets sehr schlecht und ich hatte ständig Infekte. Ein Herzecho zeigte ein Vorhofseptum-Aneurysma, ansonsten war es aber unauffällig.

Mein Zustand verschlechterte sich im Frühjahr 2019 stark. Es gab immer weniger „gesunde“ Tage und immer stärkere Krankheitsgefühle. Ich schob es auf die starke Arbeitsbelastung. Ich bin freischaffend unterwegs und hatte in dem Jahr immer mehr sehr gute und auch herausfordernde Aufträge. Trotz meines starken, fast ständigen Krankheitsgefühls arbeitete ich weiter, versuchte aber mit meiner Hausärztin zusammen erstmals eine Kur zu beantragen, die jedoch abgelehnt wurde. In dem Frühjahr starb auch plötzlich mein Vater. Viele in meinem Umfeld glaubten, es sei natürlich, dass ich bei all diesen Belastungen krank werde. Ich fühlte mich aber über die Maßen ungewohnt krank.

Im Frühsommer 2019 reiste ich nach Rumänien. Nach diesem Urlaub nahm meine Erkrankung rasant Fahrt auf! Schwäche, starke, längere Infekte, monatelange Gastritis, Herzklopfen und Herzrasen begleiteten mich. Ich verlor Gewicht und merkte zunehmende Unruhe und auch Schwindel. Lärmempfindlichkeit kam hinzu.

Nach Borrelien wurde nie geforscht

Wir beantragten eine zweite Kur, die ebenfalls abgelehnt wurde. Den Sommer über arbeitete ich noch, aber ich war Dauerkrank. Eine Heilpraktikerin behandelte mich mit Akupunktur und erklärte sich meinen Zustand mit den Wechseljahren, die ich aber ja bekanntlich nicht hatte. Die Behandlung schlug nicht an. Den Sommer über nahm ich Säureblocker gegen die immer noch starke Gastritis und versuchte mich weiter zwischen den Aufträgen zu erholen, aber es war nicht mehr möglich.

Ab September 2019 konnte ich auch mal nächtelang überhaupt nicht mehr schlafen, Herzrasen und Klopfen nahmen nachts zu und fanden auch am Tag statt. Ich bekam Furunkel in der Nase, Husten und neue starke Magenschmerzen. Ich wurde gespiegelt, aber nur eine leichte Gastritis wurde dabei festgelegt. Auch setzen nach und nach Schmerzen im Genitalbereich ein.

Nach Borrelien oder anderen Erregern wurde nie geforscht. Ich selbst hatte auch keinen Stich entdeckt.

Borreliose und Co-Infektionen – Berliner Zeitungen schildern die Ärzte-Odysee

Über den weiteren Verlauf meiner Geschichte sind zwei Zeitungsartikel im Berliner Kurier und der Berliner Zeitung erschienen. Die Ärzte-Odyssee setzte sich fort. Wie, können Sie hier nachlesen:

Behandelt werde ich derzeit mit einer Vierfach-Antibiose intravenös und zahlreichen hochpotenten Kräutern, einer Ernährungsumstellung und der Substitution von Hormonen und Spurenelementen.

13 Monate intensive Behandlung bringen langsam Linderung

Seit 13 Monaten bin ich nun in intensiver Behandlung. Langsam, ganz langsam werde ich wieder lebensfähiger und die starken Symptome im gesamten Körper lassen Stück für Stück nach. Herxheimer Reaktionen habe ich allerdings noch täglich. 

Was ich Erkrankten raten würde? Sie dürfen sich auf keinen Fall abschrecken lassen von Ärzten oder Menschen im eigenen Umfeld, die ihren Symptomen keinen Glauben schenken wollen oder sie sogar verharmlosen. Infektionen können sich zu lebensbedrohlichen Krankheiten auswachsen und brauchen eine Behandlung von SpezialistInnen und/oder aufgeklärten ÄrztInnen. Mit gut gemeinten Ratschlägen und ähnlichem ist keinem Erkrankten geholfen. Einem Krebskranken oder anders schwer Betroffenem würde niemand raten, sich einfach einen Tee zu machen, zu atmen und abzuwarten.“

Friederike Hoffmann DCL 2

Friederike Hoffmann erzählt von ihrer Borreliose-Erkrankung und einer zweijährigen Odyssee

Schmerzen, deren Ursache nicht bekannt sind. Unzählige Arztbesuche, Verzweiflung … So, wie Friederike Hoffmann, geht es vielen Menschen, die an Borreliose erkrankt sind, ohne es zu wissen. Ihr Leidensweg ist oft lang. Friederike Hoffmanns Odyssee hat ganze zwei Jahre gedauert. Heute ist sie wieder gesund und hat sich bereit erklärt, ihre Geschichte mit uns zu teilen, um anderen Betroffenen mit ihrer Erfahrung zu helfen.

1. Wie fing bei Ihnen alles an, also wann haben Sie erste Symptome gespürt?

Friederike Hoffmann DCL 2Zuerst muss ich sagen, dass ich immer gesund gelebt hab, Fitnessstudio und Sauna usw.  Dann hatte ich 2005 einen Langstreckenflug in die Karibik. Gleich in den ersten Tagen des Urlaubs bin ich nachts aufgewacht und hatte furchtbare Schmerzen im Knie, die ich so noch nie erlebt hatte. Ich konnte kaum aufstehen, um eine Schmerztablette zu holen. Am nächsten Tag war das weg, aber mein Ellenbogen tat sehr weh. Ich suchte Erklärungen –  Vielleicht kam es vom Schwimmen oder ich hatte Zug auf die nasse Haut bekommen und so fort. Den Rest des Urlaubs besserte sich leider nichts. Die Schmerzen sprangen von Gelenk zu Gelenk, auch mal in die Hände. Im Nachhinein finde ich, dass ich zu der Zeit auch ungewohnt ängstlich war. (Ich vermute, die Zeit- und Klimaumstellung haben die Bakterien dort „aktiviert“.)

2. Wie hat sich die Erkrankung geäußert/welche Einschränkungen hatten Sie im Alltag?

Glück im Unglück; bei mir waren es ‚nur‘ Gelenkschmerzen und eigentlich keine neurologischen Symptome. Es wurde so schlimm, dass ich morgens kaum meine Kinder den kurzen Weg zum Kindergarten bringen konnte. Allein Knöpfe zu machen ging vor Schmerz nicht oder eine Tasse halten ging nicht mit einer Hand. Im Grunde habe ich nur auf dem Sofa gelegen und gewartet, bis ich eine neue Tablette nehmen konnte, aber die haben auch nicht viel gebracht. Meine Finger krümmten sich dann, weil ich sie ja nicht richtig bewegen konnte. Das war sehr schmerzhaft. Zum Teil hatte ich richtige Angstgefühle, aber zum Glück jedoch keine Panikattacken, wenn ich alleine unterwegs war. Beim Zahnarzt war ich auch. Der wollte mir den Weisheitszahn ziehen, aber es stellte sich später heraus, dass einfach nur die Bakterien dort Schmerzen verursacht hatten. Dann war es wieder weg. Natürlich habe ich mich nicht überhastet operieren lassen.

Ich sollte sagen, dass ich in Elternzeit war und zum Glück keinen Arbeitsplatz hatte.

3. Hatten Sie den Zeckenstich bemerkt oder kannten Sie die Ursache für die Symptome nicht?

Einen Zeckenstich oder eine Rötung habe ich NICHT bemerkt. Natürlich habe ich die ersten Wochen viel gegoogelt. Bei diesen komischen Symptomen wusste ich ja, irgendetwas ist nicht in Ordnung. Ich habe auch über Borreliose gelesen, aber konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass es sowas sein soll.

Das Interessante ist, dass ich ca. 4 Monate zuvor mit den Kindern in einem fremden Wald spazieren und als wir im Auto auf der Rückfahrt waren, entdeckten wir viele Zecken unterschiedlicher Größe, auch kaum sichtbare kleine, die wir ‚abgesammelt‘ haben. Das war meine einzig bewusste Begegnung mit Zecken überhaupt. An Gefahr dachten wir natürlich nicht. Schon kurz danach bekam ich öfter Rückenschmerzen, aber ob das schon Anfänge waren, kann ich nicht sagen.

4. Wann haben Sie erstmals einen Arzt aufgesucht und wie lautete die Diagnose?

Erst 3 Monate nach dem Urlaub bin ich zum Hausarzt gegangen, weil es einfach nicht besser wurde. Der tat es ab und fragte, ob ich nicht irgendeine Salbe hätte, um das einzucremen…

5. Haben Sie danach noch weitere Ärzte aufgesucht? 

Nach einer gewissen Zeit bin ich wieder zum Hausarzt, der hatte keine Idee und ich bin zum ersten Rheumatologen. Der stellte fest, dass ich kein Rheuma habe. Dann war ich bei einem ‚berühmten‘ anderen Rheumatologen, der wollte mir Blut abnehmen und hatte schon meinen Arm abgebunden, aber tippte so lange an seinem PC rum, dass mein Arm schon blau wurde. Dort wurde ebenso kein Rheuma festgestellt.

Mal im Ernst, wie viele Alternativen gibt es zu Rheuma bei solchen springenden Gelenkschmerzen?? (Nicht sehr viele, außer Borreliose.) Ich wurde noch auf Sarkoidose untersucht, aber die Lunge war okay.

Wieder zum Hausarzt. Da fing ich an zu heulen, weil es mir wirklich scheisse ging und er bekam Panik. Er wollte einen Termin im Krankenhaus machen. Darauf sollte ich 9 Wochen warten!!

Hier auch wieder interessant – genau zu der Zeit war eine Praktikantin bei meinem Hausarzt und die erwähnte zum ersten Mal überhaupt, dass es vielleicht Borreliose sein könnte.

Ich rief selber einen Neurologen an und bekam keinen Termin. Da bin ich einfach hingegangen und hab mich ins Wartezimmer gesetzt und so lange gewartet, bis ich dran kam. Ich sah auch furchtbar schlecht aus. Wahrscheinlich haben die das deshalb erlaubt.

6. Welche Tests wurden bei Ihnen durchgeführt?

Scheinbar hatte kein Arzt wirklich Ahnung, wie ich bisher gesehen hatte. Normale Bluttests reichen nicht aus. Ich habe meinem Hausarzt gesagt, dass da mein Blut vernünftig untersucht werden soll. Musste ich selber bezahlen, aber das war egal. 

7. Wann hatten Sie endlich Gewissheit, dass es sich bei Ihnen um Borreliose handelt?

Nach diesem Test – das muss etwa ein halbes Jahr nach dem Urlaub gewesen sein – kam endlich die Gewissheit und es war ein überwältigendes Gefühl, fast Freude, endlich zu wissen, was denn nun los ist!! Diese Marker im Blut zeigten ja auch an, dass es sozusagen aktiv ist.

8. Sind Ihnen Co-Infektionen bekannt, die zusammen mit der Borreliose auftraten (z.B. Rickettsiose, Babesiose, Epstein-Barr-Virus)?

Nein.

9. Wie wurde Ihre Borreliose behandelt?

Der Hausarzt kam wieder mit 4 Wochen Doxy, dann wäre alles in Ordnung bei dieser „Hammerdosis“. Natürlich half das nicht!! Ich bin vorwiegend zum Neurologen gegangen, weil der damit einfach besser umging. Insgesamt habe ich 1,5 Jahre 3 verschiedene Antibiotika (Doxy, Cefuroxim, Azithromycin) genommen, mit kleinen Pausen. Beim Hausarzt habe ich mir noch extra welche verschreiben lassen und aus dem Ausland auch noch welche bestellt. (Riskant, aber ich hatte Glück). Heißt, auch mehr genommen, als die Ärzte gesagt haben! Der Neurologe sagte ziemlich am Ende der Behandlung, so lange Antibiotikum nehmen, bis der letzte Schmerz aus dem letzten Finger verschwunden ist, und damit hat er genau Recht!

10. Trat eine Besserung auf, wenn ja, ab wann?

Es wurde eine lange Zeit gar noch schlimmer und ich bekam Schmerzen in Körperteilen, von denen  ich gar nicht wusste, dass sie überhaupt weh tun können. Man könnte es zum Teil beschreiben, wie schlimmsten Muskelkater. Es handelte sich wohl um die Herxheimer Reaktion, wie ich dann nachgelesen habe.

Zum Beispiel fing der Schmerz im Nacken an und jeden Tag ein Stück tiefer entlang der Wirbelsäule. Sogar im Muskel im Hintern , so dass ich kaum sitzen konnte. Für die Finger bekam ich Reizstrombehandlung. Es schmerzte sehr, die Finger dabei zu strecken, aber es half. Ich habe Mariendistelkapseln genommen, um die Leber zu schützen, phasenweise Omega3 Kapseln usw. Ich ging auch regelmäßig in die Sauna, da die Hitze die Borrelien aus dem Gewebe herauslockt und sie dann im Blut vom Antibiotikum gekillt werden. Von da an ging es aufwärts!!

11. Wie geht es Ihnen heute?

Diese Odyssee hat insgesamt 2 Jahre gedauert. Bis heute bin ich wieder ganz gesund und hatte auch keinen Rückfall oder ähnliches.

12. Was raten Sie Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind, wie Sie vor 13 Jahren?

Ich hoffe, dass die Ärzte heute besser Bescheid wissen.

Auf keinen Fall verunsichern lassen! Man merkt doch, wenn der Körper nicht in Ordnung ist. Bei mir gab es auch Anspielungen darauf, dass ich mir das nur einbilde. Sogar meine eigene Familie hat es nicht Ernst genommen. Ich soll mich nicht so anstellen und ich müsste morgens ja die Betten machen und solche Belehrungen. Es ging ja einfach nicht, weil ich die Bettdecke gar nicht fassen und schütteln konnte.

Man neigt, zu jedem Strohhalm zu greifen, wenn man nicht weiß, was man hat, aber bitte nicht irgendwelchen Klugscheißern glauben. Zum Beispiel hat ein Idiot überall gepostet, nur Knoblauch hilft gegen Borreliose, man braucht kein Antibiotikum. Um Himmels Willen, bitte glaubt solchen Leuten nicht!

Auch muss man nicht unbedingt jedem Arzt zu allem blind zustimmen. Zum Beispiel ist eine Nervenwasseruntersuchung unter Umständen gar nicht aussagekräftig, aber der Arzt veranlasst ja gerne sowas.

Teilen Sie Ihre Geschichte mit uns!

Sie sind auch an Borreliose erkrankt und haben eine ähnliche Erfahrung wie Friederike Hoffmann gemacht? Sie hatten Glück, einen Arzt zu finden, der Ihnen schnell geholfen hat oder Sie leiden bis heute an den Folgen Ihrer Borreliose-Erkrankung? Erzählen auch Sie uns Ihre Geschichte und helfen Sie anderen Betroffenen mit Ihrer Erfahrung. Schreiben Sie uns eine Mail an info@deutsches-chroniker-labor.de oder rufen Sie uns an, Telefon 039485/668780.

3.Borreliose oder doch ALS Ein Erfahrungsbericht Foto Thitiphat stock adobe

ALS-Diagnose trotz positiver Borreliose-Tests

Jana M. (Name aufgrund des Wunsches nach Anonymität geändert) folgte unserem Aufruf und hat den Leidensweg ihres Mannes geschildert. Wie viele Borreliose-Patienten, musste auch er lange nach der Ursache seiner Symptome suchen. Die erste Diagnose der Ärzte lautete ALS, eine degenerative Erkrankung des Nervensystems. Obwohl inzwischen Borreliose und Neuroborreliose sowie diverse Co-Infektionen festgestellt wurden, wird von behandelnden Ärzten weiterhin hauptsächlich an der ALS-Diagnose festgehalten.

1.  Wie fing bei Ihnen alles an, also wann haben Sie erste Symptome gespürt?

Es begann Ende Oktober 2018 mit den ersten Symptomen. Damals bemerkte mein Mann auf Arbeit beim Zugreifen mit der Rosenscheere erstmals Kraftlosigkeit bzw. ein Schwächegefühl in der rechten Hand und im Arm.

2. Wie hat sich die Erkrankung geäußert/welche Einschränkungen hatten Sie im Alltag?

  • Instabilitätsgefühl am ganzen Körper
  • Rückenschmerzen, Rückensteifigkeit
  • Muskuläre Schmerzen und Krämpfe, Muskelschwäche
  • Muskelzuckungen an Armen und Beinen
  • Plötzlich einschießende starke Schmerzen in der Muskulatur wie bei einem Messerstich im Knie oder auch woanders
  • Schwere Arme
  • Knöchel immer wieder angeschwollen
  • Schmerzen an Sehnen und Bändern
  • Ziehende Schmerzen in Armen oder Beinen
  • Knacken der Gelenke, Steife Gelenke
  • Zittern des ganzen Körpers oder auch nur Bein oder Arm
  • Schwindel und Gleichgewichtsstörungen, das Gefühl zu Kippen
  • Alkoholunverträglichkeit
  • Das Gehen wurde dann noch schlechter
  • Schlaflosigkeit
  • Kälteempfindlichkeit, Frieren oder Frösteln
  • Nächtliches Schwitzen und vermehrtes Schwitzen bei geringer Belastung
  • Oft verschleiertes Sehen; das Sehen ohne Brille ist noch schlechter geworden
  • Stuhlunregelmäßigkeiten, Durchfall, Verstopfung
  • Hautausschlag
  • Müdigkeit, Erschöpfung

3. Hatten Sie den Zeckenstich bemerkt oder kannten Sie die Ursache für die Symptome nicht?

Ein Zeckenstich wurde nicht bemerkt. Ich habe einen kreisförmigen Ausschlag am Gesäß meines Mannes wahrgenommen, aber erst viel später mit einem Zeckenstich in Verbindung gebracht, da wir uns zu dieser Zeit noch nicht mit dem Thema Borreliose auskannten.

4. Wann haben Sie erstmals einen Arzt aufgesucht und wie lautete die Diagnose?

Am 05.11.2018 war er wegen seiner Beschwerden, der Kraftlosigkeit in Hand bzw. Arm und Muskelzucken, erstmals beim Hausarzt.

Vom 05.02.2018 bis 18.12.2018 folgte ein Klinikaufenthalt.

Nach 14 Tagen stand die Verdachtsdiagnose ALS (Anmerkung: ALS ist eine Abkürzung für amyotrophe Lateralsklerose, eine nicht heilbare, degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems) und damit keine Chance mehr auf kassenärztliche Hilfe bzw. Unterstützung. Mit dieser Diagnose begann der eigentliche Horror-Trip für uns…

5. Haben Sie danach noch weitere Ärzte aufgesucht?

 Ja, wir sind zwischenzeitlich bei verschiedenen Ärzten gewesen, da die Beschwerden weiterhin bestanden.

6. Welche Tests wurden bei Ihnen durchgeführt?

1. Test: Am 19.03.2019 haben wir ein positives Borreliose-Testergebnis erhalten und haben uns telefonisch mit dem Labor (nicht das Deutsche Chroniker Labor) in Verbindung gesetzt. Die Aussage des Labors: “Sie hatten Kontakt und haben auch ein akutes Problem. Sie müssen mit dem Befund zum Arzt gehen. Aufgrund der hohen Werte wurde der Befund nochmals kontrolliert.”

2. Test: Am 28.03.2019 war mein Mann wieder bei der Hausärztin und hat das Ergebnis vom Borreliose-Test vorgelegt. Daraufhin sagte sie, dass sie selbst noch einen Test machen möchte und nahm Blut ab. Sie wollte sich melden, wenn das Ergebnis vorliegt.

Am Dienstag, den 02.04.2019, haben wir um 10:08 Uhr bei der Hausärztin angerufen, da sie sich leider noch nicht gemeldet hatte. Ihre Aussage am Telefon: Das Testergebnis sei auch positiv ausgefallen, aber das sei nicht relevant (wegen der ALS-Diagnose), denn sie habe mit einem Arzt aus der Uniklinik telefoniert.

7. Wann hatten Sie endlich Gewissheit, dass es sich bei Ihnen um Borreliose handelt?

Nach mehreren Tests, die wir extra bei verschiedenen Ärzten und Laboren haben machen lassen.

8. Sind Ihnen Co-Infektionen bekannt, die zusammen mit der Borreliose auftraten (z.B. Rickettsiose, Babesiose, Epstein-Barr-Virus)?

 Ja, es wurden folgende Erkankungen festgestellt:

  • Chronische Borreliose
  • Chronische Neuroborreliose
  • Mit V.A. Banwarth-Syndrom
  • Mit V.A. Parsonage-Turner-Syndrom
  • Bartonellen-Infektion
  • Babesien-Infektion
  • Coxsackievirus-Infektion
  • Hypovitaminose B1, B2, B3, B6
  • Grenzwertig niedrige Vitamin D-3 Versorgung Spiegel 31 ng/ml
  • MTHFR-Polymorphismus 677 Homozygot
  • V.A. chronische Schwermetallintoxikation bei genetischer Störung der Phase II – Entgiftung

9. Wie wurde Ihre Borreliose behandelt?

Eine Therapie wurde angefangen, aber da uns immer wieder Steine in den Weg gelegt wurden, wurde sie nicht fortgeführt. Somit hat sich der Zustand meines Mannes immer mehr verschlechtert.

10. Trat eine Besserung auf, wenn ja, ab wann?

Während der Therapie traten kleine Verbesserungen auf. Mein Mann konnte sogar 3kg Gewicht mit seinen Beinen anheben.

11. Wie geht es Ihnen heute?

 Sehr schlecht, denn durch die ALS-Diagnose ist es uns bisher nicht möglich gewesen, die Therapie neu zu starten.

12. Was raten Sie Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind?

Man kann jedem Betroffenen nur raten, niemals aufzugeben und immer weiter zu kämpfen. Es ist sehr traurig, dass Borreliose in der Schulmedizin bzw. bei vielen Neurologen nur belächelt wird. Man muss wirklich sehr viel Glück haben, um Ernst genommen zu werden. Falls man schon eine andere Diagnose bekommen, hat wie zum Beispiel MS, ALS, Parkinson u.s.w., wird es natürlich ganz schwer, aus dieser Schublade wieder herauszukommen.

FSME Zecken1

FSME – die nach Borreliose zweithäufigste von Zecken übertragene Erkrankung

Mit einem Stich können Zecken verschiedenste Krankheiten übertragen, nach der Borreliose ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) die verbreitetste. FSME ist eine Virus-Erkrankung. Der FSME-Virus gehört zur Gruppe der Flaviviren und ist verwandt mit Viren, die das Dengue- und Gelbfieber verursachen. Seit 2001 ist eine Erkrankung mit FSME meldepflichtig.

Wo kommt FSME vor?

Frühsommer-Meningoenzephalitis kommt in verschiedensten Ländern Europas, Russland und Asien vor. Gebiete, in denen ein deutlich erhöhtes Infektionsrisiko besteht, werden zu FSME-Risikogebieten erklärt. Laut Robert-Koch Institut, wird ein Kreis „[…]als FSME-Risikogebiet definiert, wenn die Anzahl der übermittelten FSME-Erkrankungen in mindestens einem der 14 Fünfjahreszeiträume im Zeitraum 2002–2019 im Kreis ODER in der Kreisregion (bestehend aus dem betreffenden Kreis plus allen angrenzenden Kreisen) signifikant (p < 0,05) höher liegt als die bei einer Inzidenz von 1 Erkrankung pro 100.000 Einwohner erwartete Fallzahl.“*

In Deutschland sind vor allem Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen betroffen. Neue Risikogebiete können jederzeit hinzukommen. Erst in diesem Jahr wurden Dresden und der Landkreis Meißen als Risikogebiete ausgewiesen.

Wie wird FSME übertragen?

In der Regel wird das Virus von Nagetieren auf Zecken übertragen. Stechen die Zecken wiederum einen Menschen, kann der Erreger mit dem Speichel der Zecke in den Blutkreislauf gelangen. Dies geschieht innerhalb der ersten Stunden nach dem Stich. Nicht jede infizierte Zecke überträgt das Virus. In Risikogebieten tragen 0,1 bis 5 Prozent der Zecken das FSME-Virus. Die Ansteckungsgefahr liegt bei etwa 1:100 und damit unter dem Ansteckungsrisiko der Borreliose. Borrelien kommen in 10 bis 35 Prozent der Zecken vor.

Selten, aber möglich, ist eine FSME-Ansteckung durch den Verzehr verunreinigter Rohmilch von Ziegen und Schafen. Ein mit FSME-infizierter Menschen ist selbst nicht ansteckend.

Unterschätzt werden sollte die von FSME ausgehende Gefahr nicht. Zum einen vermehren sich Zecken aufgrund milder Winter mehr denn je und sind länger aktiv, zum anderen kann eine FSME-Erkrankung mit einem schweren Verlauf einhergehen.

Die FSME-Risikogruppe

Wer in einem der Risikogebiete sehr viel Zeit in der Natur verbringt, ist einer erhöhten Ansteckungsgefahr ausgesetzt. In aller Regeln sind das also Bewohner, Urlauber, Waldarbeiter, Förster und Jäger.

Männer erkranken doppelt so häufig wie Frauen und haben oft schwerere Verläufe. Kinder zeigen meist milde Symptome. Je älter die betroffene Person ist, desto schwerer kann eine Erkrankung mit FSME verlaufen.

Welche Symptome treten bei einer FSME-Erkrankung auf?

Laut Robert-Koch-Institut verlaufen 70 bis 95 Prozent der FSME-Erkrankungen beschwerdefrei oder führen zu leichten Symptomen. Diese treten in der Regel zwischen 7 und 14 Tage nach dem Zeckenstich auf. Auch schwere Verläufe sind möglich.

Wie verläuft die FSME-Erkrankung?

Die Erkrankung verläuft in der Regel in zwei Phasen:

1. Phase
Die meisten Erkrankten zeigen nach einer Infektion grippeähnliche Symptome, die sich in Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber äußern. Man fühlt sich schlapp und krank. Aufgrund der Ähnlichkeit zur Sommergrippe bleibt die FSME-Erkrankung in diesem Stadium häufig unerkannt.

2. Phase
Schwere Krankheitsverläufe stellen sich meist nach einer Woche ein. In der zweiten Phase der Erkrankung kann es zu einer Entzündung von Hirnhaut und Gehirn (Meningoenzephalitis) kommen. Die Betroffenen leiden an starken Kopfschmerzen, Fieber und Erbrechen. Es kann zu einem steifen Nacken, Zittern, Gleichgewichtsstörungen, Schluck- und Sprechstörungen, Krampfanfällen, Lähmungen und Ausfällen des Nervensystems kommen. Auch Bewusstseinsstörungen und psychische Veränderungen sind möglich.

In etwa einem Prozent der Fälle führen die Symptome zum Tod.

Wie wird FSME diagnostiziert?

Festgestellt wird FSME durch ein Gespräch beim Arzt und eine körperliche Untersuchung. Bei stärkeren Symptomen werden erhöhte Entzündungswerte und FSME-spezifische Antikörper im Blut nachgewiesen. Bei schwereren Fällen können eine Untersuchung des Nervenwassers im Rückenmarkskanal und eine Kernspintomografie nötig sein, um Entzündungen und Veränderungen im Gehirn zu bestätigen.

Ist FSME heilbar?

Ein Medikament gegen FSME oder eine spezielle Behandlung gibt es nicht. Da es sich um ein Virus handelt, helfen auch Antibiotika nicht. Stattdessen werden die Symptome mit fiebersenkenden und schmerzstillenden Mitteln behandelt.

Leichte Symptome können mit ausreichender Bettruhe auskuriert werden. Bei schweren Symptomen ist eine Behandlung im Krankhaus nötig.

In den meisten Fällen wird die Frühsommer-Meningoenzephalitis geheilt. Betroffene können monatelang an Folgeschäden leiden. Dazu gehören geringe Belastbarkeit, Gefühlsschwankungen, Kopfschmerzen oder Lähmungen. Auch bleibende neuropsychologische Schäden sind denkbar.

Wer einmal an FSME erkrankt war, ist in der Regel immun. Um schwere Verläufe zu verhindern, sollte man sich dennoch vor der Krankheit schützen. Im Gegensatz zur Borreliose, gibt es gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis eine Impfung.

Wie kann man sich vor FSME schützen?

Die Impfung bietet den besten Schutz vor einer FSME-Erkrankung. Zum Aufbau des Schutzes sind drei Impfungen nötig. Die zweite Impfung erfolgt ein bis drei Monate nach der ersten Spritze, die dritte Impfung im Verlauf eines Jahres.

Neben Waldarbeitern, Bewohnern und Urlaubern in Risikogebieten wird vor allem Personen ab 50 Jahren eine Impfung empfohlen, da der Krankheitsverlauf mit steigendem Alter schwerer sein kann. Kinder können ab dem ersten Lebensjahr geimpft werden. Nach rund drei Jahren sollte eine Auffrischung der Impfung erfolgen.

Zusätzlich kann man sich mit heller, geschlossener Kleidung vor Zecken schützen. Nach dem Aufenthalt im Freien sollte der Körper regelmäßig aufmerksam abgesucht und Zecken schnellstmöglich fachgerecht entfernt werden.

Weitere Informationen zu FSME und Risikogebieten erhalten Sie beim örtlichen Gesundheitsamt und beim Robert-Koch-Institut: www.rki.de/fsme

 

* https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/F/FSME/Karte_FSME.pdf?__blob=publicationFile