Neuartiges Zecken-Virus ACEV eine Bedrohung für Wildtiere in den Alpen
Forscher haben ein neues Zeckenvirus in den Alpen entdeckt. Das Alpine Chamois Encephalitis Virus (ACEV) ist ein relativ unbekanntes, aber ernstzunehmendes Virus, das die Wildtierpopulationen in den Alpen bedroht. Es gehört zur Familie der Flaviviren und ist eng mit dem Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus (FSME-Virus) verwandt. Betroffen sind vor allem Gämsen, aber auch andere Wildtiere können sich infizieren.
Herkunft und Übertragung des Zecken-Virus ACEV
ACEV wird durch Zecken übertragen, insbesondere durch die Art Ixodes ricinus. Diese Zecken sind in den alpinen und subalpinen Regionen Europas weit verbreitet. Das Virus zirkuliert hauptsächlich zwischen Zecken und Wildtieren, insbesondere Gämsen.
Symptome und Krankheitsverlauf
Bei infizierten Gämsen zeigt sich das Virus vor allem durch neurologische Symptome. Dazu gehören:
- Koordinationsstörungen
- Muskelzittern
- Lähmungserscheinungen
- Desorientierung
- Aggressives oder apathisches Verhalten
ACEV greift das zentrale Nervensystem an und führt zu schweren Entzündungen im Gehirn, die letztlich auch zum Tod des betroffenen Tieres führen können.
Diagnose und Forschung
Die Diagnose von ACEV erfolgt durch virologische Untersuchungen von erkrankten oder verendeten Tieren. Bisher gibt es nur wenige detaillierte Studien zu diesem Virus, weshalb noch viele Fragen offen sind. Forschende arbeiten daran, mehr über die Verbreitung, Pathogenese und potenzielle Übertragungswege zu erfahren.
Gibt es eine Gefahr für den Menschen?
Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass ACEV eine zoonotische Gefahr - die Übertragung vom Tier auf den Menschen - darstellt. Dennoch zeigt es Parallelen zu anderen Flaviviren, die für den Menschen gefährlich sind, wie das FSME-Virus.
Sollten sich auch Schafe oder Ziegen mit dem Virus anstecken können, bestünde für Menschen eine Gefahr durch den Verzehr von deren Rohmilch.
Ob unter bisherigen FSME-Fällen bei Menschen bereits Infektionen mit ACEV gewesen seien, ist laut Norbert Nowotny, Virologe der Universität Wien, nicht bekannt, da selten ein Virusnachweis mittels PCR und anschließender Sequenzierung durchgeführt werde.*
Bis das Virus weiter erforscht ist und Klarheit über die Übertragbarkeit und das Risiko für den Menschen besteht, gilt: Der beste Schutz ist, den Körper regelmäßig und gründlich nach Zecken abzusuchen und sie schnell zu entfernen.
*Quelle: Berliner Morgenpost, Neues Zecken-Virus: Wie gefährlich wird es für Menschen, 02.02.2025, https://www.morgenpost.de/ratgeber-wissen/article408189100/neues-zecken-virus-wie-gefaehrlich-wird-es-fuer-menschen.html