Sind Zecken auch im Winter aktiv? Warum die Gefahr für Borreliose nicht mit dem ersten Frost endet

Ein verbreiteter Irrglaube hält sich hartnäckig: Sobald die Temperaturen sinken und der Winter einzieht, seien wir vor Zecken sicher. Viele Patienten, die an unspezifischen Symptomen wie Gelenkschmerzen, Erschöpfung oder neurologischen Problemen leiden, schließen eine Borreliose oft aus, weil sie sich an keinen Zeckenstich im Sommer erinnern können. Doch die Realität sieht anders aus.

Deshalb möchten wir heute eine wichtige Frage klären: Sind Zecken auch im Winter aktiv? Die Antwort ist entscheidend für Ihre Diagnostik und Gesundheit.

Der Mythos vom „Winterschlaf“ der Zecken

Lange Zeit ging man davon aus, dass Zecken in eine starre Winterruhe verfallen, sobald der Herbst endet. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Zecken halten keinen Winterschlaf im klassischen Sinne wie Igel oder Siebenschläfer. Sie verfallen vielmehr in eine Kältestarre – aber nur, wenn es wirklich kalt ist.

Die Aktivität von Zecken ist primär temperaturabhängig und nicht an die Jahreszeit gebunden.

Ab wann wird es gefährlich?

Die in Deutschland häufigste Zeckenart, der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), wird bereits ab Temperaturen von ca. 7 bis 8 Grad Celsius aktiv. Andere Arten, wie die sich ausbreitende Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus), sind noch robuster und können schon bei 4 Grad Celsius auf Wirtssuche gehen.

Das bedeutet: In milden Wintern, in denen das Thermometer auch im Dezember, Januar oder Februar tagsüber Plusgrade anzeigt, sind Zecken keineswegs inaktiv. Ein sonniger Wintertag reicht oft aus, um die Parasiten aus der Bodenstreu zu locken.

Klimawandel: Die ganzjährige Saison

Durch die zunehmend milden Winter in Mitteleuropa verschwimmt die klassische „Zeckensaison“ (früher März bis Oktober) immer mehr. Experten beobachten mittlerweile eine ganzjährige Zeckenaktivität.

Besonders trügerisch ist der Schutz durch Schnee. Eine geschlossene Schneedecke wirkt wie eine Isolationsschicht. Während die Lufttemperatur weit unter den Gefrierpunkt fallen kann, herrschen unter dem Schnee im Laub oft mildere Bedingungen, die das Überleben der Zecken sichern. Schmilzt der Schnee oder gibt es frostfreie Perioden, sind die Tiere sofort wieder einsatzbereit.

Borreliose-Risiko im Winter: Was Sie wissen müssen

Für Betroffene mit ungeklärten Symptomen ist dieser Fakt essenziell: Eine Borreliose-Infektion ist auch im Winter möglich.

Wenn Sie in der kalten Jahreszeit Spaziergänge im Wald, in Parks oder auch nur im eigenen Garten unternommen haben und Wochen später Symptome entwickeln, sollte eine Borreliose nicht aufgrund der Jahreszeit ausgeschlossen werden.

Die Borrelien-Bakterien (Borrelia burgdorferi) überleben im Darm der Zecke auch bei niedrigen Temperaturen. Sticht eine infizierte Zecke im Winter zu, kann sie die Erreger ebenso übertragen wie im Sommer. Da man im Winter oft dick gekleidet ist, werden Stiche jedoch häufiger übersehen oder als einfache Hautirritation durch Kleidung abgetan.

Typische Symptome, auf die Sie achten sollten:

  • Wanderröte (Erythema migrans): Beachten Sie, dass diese nicht immer auftritt.
  • Grippeähnliche Symptome: Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit (oft fälschlicherweise als viraler Infekt im Winter interpretiert).
  • Wandernde Gelenk- und Muskelschmerzen.

Fazit: Wachsamkeit kennt keine Jahreszeit

Verlassen Sie sich bei Ihrer Ursachenforschung nicht auf den Kalender. Wenn Sie unter chronischen Beschwerden leiden und bisher keine Diagnose erhalten haben, ziehen Sie eine Borreliose oder Co-Infektionen auch dann in Betracht, wenn der vermutete Zeitpunkt der Infektion in die kühleren Monate fiel.

Im Deutschen Chroniker Labor haben wir uns auf die Diagnostik solcher oft übersehenen Infektionen spezialisiert. Wir nutzen sensitive Testverfahren, um dem Verdacht auf den Grund zu gehen – unabhängig davon, wann der Zeckenkontakt stattgefunden haben könnte.

Unsere Empfehlung für den Winter:

  1. Schutz: Tragen Sie auch an milden Wintertagen bei Waldspaziergängen geschlossene Kleidung.
  2. Kontrolle: Suchen Sie sich und Ihre Haustiere (die Zecken oft ins Haus bringen) nach dem Aufenthalt im Freien ab.
  3. Diagnostik: Lassen Sie bei unklaren Beschwerden einen spezialisierten Borreliosetest durchführen.

Quellenverzeichnis

Für diesen Artikel haben wir uns auf Informationen folgender renommierter Institutionen und Fachquellen gestützt:

  • Robert Koch-Institut (RKI): Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Zecken. Das RKI bestätigt, dass Zecken bei warmer Witterung auch im Winter Infektionen verursachen können und die größte Aktivität zwar im Frühling/Herbst liegt, aber nicht darauf beschränkt ist.
  • Zecken.de / Universität Hohenheim: Informationen zur Aktivität von Zecken in milden Wintern und deren Überlebensstrategien unter Laub und Schnee.
  • Umweltbundesamt: Daten zur Aktivität des Gemeinen Holzbocks (Ixodes ricinus) ab ca. 7°C und der Auwaldzecke bei noch niedrigeren Temperaturen.
  • NABU (Naturschutzbund Deutschland): Hinweise zu den häufigsten Zecken-Irrtümern und der Temperaturschwelle von ca. 7 Grad Celsius.

 

Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Bei Verdacht auf eine Erkrankung wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Heilpraktiker.