Friederike Hoffmann erzählt von ihrer Borreliose-Erkrankung und einer zweijährigen Odyssee

1. Wie fing bei Ihnen alles an, also wann haben Sie erste Symptome gespürt?

Friederike Hoffmann DCL 2Zuerst muss ich sagen, dass ich immer gesund gelebt hab, Fitnessstudio und Sauna usw.  Dann hatte ich 2005 einen Langstreckenflug in die Karibik. Gleich in den ersten Tagen des Urlaubs bin ich nachts aufgewacht und hatte furchtbare Schmerzen im Knie, die ich so noch nie erlebt hatte. Ich konnte kaum aufstehen, um eine Schmerztablette zu holen. Am nächsten Tag war das weg, aber mein Ellenbogen tat sehr weh. Ich suchte Erklärungen -  Vielleicht kam es vom Schwimmen oder ich hatte Zug auf die nasse Haut bekommen und so fort. Den Rest des Urlaubs besserte sich leider nichts. Die Schmerzen sprangen von Gelenk zu Gelenk, auch mal in die Hände. Im Nachhinein finde ich, dass ich zu der Zeit auch ungewohnt ängstlich war. (Ich vermute, die Zeit- und Klimaumstellung haben die Bakterien dort „aktiviert“.)

2. Wie hat sich die Erkrankung geäußert/welche Einschränkungen hatten Sie im Alltag?

Glück im Unglück; bei mir waren es ‚nur‘ Gelenkschmerzen und eigentlich keine neurologischen Symptome. Es wurde so schlimm, dass ich morgens kaum meine Kinder den kurzen Weg zum Kindergarten bringen konnte. Allein Knöpfe zu machen ging vor Schmerz nicht oder eine Tasse halten ging nicht mit einer Hand. Im Grunde habe ich nur auf dem Sofa gelegen und gewartet, bis ich eine neue Tablette nehmen konnte, aber die haben auch nicht viel gebracht. Meine Finger krümmten sich dann, weil ich sie ja nicht richtig bewegen konnte. Das war sehr schmerzhaft. Zum Teil hatte ich richtige Angstgefühle, aber zum Glück jedoch keine Panikattacken, wenn ich alleine unterwegs war. Beim Zahnarzt war ich auch. Der wollte mir den Weisheitszahn ziehen, aber es stellte sich später heraus, dass einfach nur die Bakterien dort Schmerzen verursacht hatten. Dann war es wieder weg. Natürlich habe ich mich nicht überhastet operieren lassen.

Ich sollte sagen, dass ich in Elternzeit war und zum Glück keinen Arbeitsplatz hatte.

3. Hatten Sie den Zeckenstich bemerkt oder kannten Sie die Ursache für die Symptome nicht?

Einen Zeckenstich oder eine Rötung habe ich NICHT bemerkt. Natürlich habe ich die ersten Wochen viel gegoogelt. Bei diesen komischen Symptomen wusste ich ja, irgendetwas ist nicht in Ordnung. Ich habe auch über Borreliose gelesen, aber konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass es sowas sein soll.

Das Interessante ist, dass ich ca. 4 Monate zuvor mit den Kindern in einem fremden Wald spazieren und als wir im Auto auf der Rückfahrt waren, entdeckten wir viele Zecken unterschiedlicher Größe, auch kaum sichtbare kleine, die wir ‚abgesammelt‘ haben. Das war meine einzig bewusste Begegnung mit Zecken überhaupt. An Gefahr dachten wir natürlich nicht. Schon kurz danach bekam ich öfter Rückenschmerzen, aber ob das schon Anfänge waren, kann ich nicht sagen.

4. Wann haben Sie erstmals einen Arzt aufgesucht und wie lautete die Diagnose?

Erst 3 Monate nach dem Urlaub bin ich zum Hausarzt gegangen, weil es einfach nicht besser wurde. Der tat es ab und fragte, ob ich nicht irgendeine Salbe hätte, um das einzucremen...

5. Haben Sie danach noch weitere Ärzte aufgesucht? 

Nach einer gewissen Zeit bin ich wieder zum Hausarzt, der hatte keine Idee und ich bin zum ersten Rheumatologen. Der stellte fest, dass ich kein Rheuma habe. Dann war ich bei einem ‚berühmten‘ anderen Rheumatologen, der wollte mir Blut abnehmen und hatte schon meinen Arm abgebunden, aber tippte so lange an seinem PC rum, dass mein Arm schon blau wurde. Dort wurde ebenso kein Rheuma festgestellt.

Mal im Ernst, wie viele Alternativen gibt es zu Rheuma bei solchen springenden Gelenkschmerzen?? (Nicht sehr viele, außer Borreliose.) Ich wurde noch auf Sarkoidose untersucht, aber die Lunge war okay.

Wieder zum Hausarzt. Da fing ich an zu heulen, weil es mir wirklich scheisse ging und er bekam Panik. Er wollte einen Termin im Krankenhaus machen. Darauf sollte ich 9 Wochen warten!!

Hier auch wieder interessant – genau zu der Zeit war eine Praktikantin bei meinem Hausarzt und die erwähnte zum ersten Mal überhaupt, dass es vielleicht Borreliose sein könnte.

Ich rief selber einen Neurologen an und bekam keinen Termin. Da bin ich einfach hingegangen und hab mich ins Wartezimmer gesetzt und so lange gewartet, bis ich dran kam. Ich sah auch furchtbar schlecht aus. Wahrscheinlich haben die das deshalb erlaubt.

6. Welche Tests wurden bei Ihnen durchgeführt?

Scheinbar hatte kein Arzt wirklich Ahnung, wie ich bisher gesehen hatte. Normale Bluttests reichen nicht aus. Ich habe meinem Hausarzt gesagt, dass da mein Blut vernünftig untersucht werden soll. Musste ich selber bezahlen, aber das war egal. 

7. Wann hatten Sie endlich Gewissheit, dass es sich bei Ihnen um Borreliose handelt?

Nach diesem Test – das muss etwa ein halbes Jahr nach dem Urlaub gewesen sein – kam endlich die Gewissheit und es war ein überwältigendes Gefühl, fast Freude, endlich zu wissen, was denn nun los ist!! Diese Marker im Blut zeigten ja auch an, dass es sozusagen aktiv ist.

8. Sind Ihnen Co-Infektionen bekannt, die zusammen mit der Borreliose auftraten (z.B. Rickettsiose, Babesiose, Epstein-Barr-Virus)?

Nein.

9. Wie wurde Ihre Borreliose behandelt?

Der Hausarzt kam wieder mit 4 Wochen Doxy, dann wäre alles in Ordnung bei dieser „Hammerdosis“. Natürlich half das nicht!! Ich bin vorwiegend zum Neurologen gegangen, weil der damit einfach besser umging. Insgesamt habe ich 1,5 Jahre 3 verschiedene Antibiotika (Doxy, Cefuroxim, Azithromycin) genommen, mit kleinen Pausen. Beim Hausarzt habe ich mir noch extra welche verschreiben lassen und aus dem Ausland auch noch welche bestellt. (Riskant, aber ich hatte Glück). Heißt, auch mehr genommen, als die Ärzte gesagt haben! Der Neurologe sagte ziemlich am Ende der Behandlung, so lange Antibiotikum nehmen, bis der letzte Schmerz aus dem letzten Finger verschwunden ist, und damit hat er genau Recht!

10. Trat eine Besserung auf, wenn ja, ab wann?

Es wurde eine lange Zeit gar noch schlimmer und ich bekam Schmerzen in Körperteilen, von denen  ich gar nicht wusste, dass sie überhaupt weh tun können. Man könnte es zum Teil beschreiben, wie schlimmsten Muskelkater. Es handelte sich wohl um die Herxheimer Reaktion, wie ich dann nachgelesen habe.

Zum Beispiel fing der Schmerz im Nacken an und jeden Tag ein Stück tiefer entlang der Wirbelsäule. Sogar im Muskel im Hintern , so dass ich kaum sitzen konnte. Für die Finger bekam ich Reizstrombehandlung. Es schmerzte sehr, die Finger dabei zu strecken, aber es half. Ich habe Mariendistelkapseln genommen, um die Leber zu schützen, phasenweise Omega3 Kapseln usw. Ich ging auch regelmäßig in die Sauna, da die Hitze die Borrelien aus dem Gewebe herauslockt und sie dann im Blut vom Antibiotikum gekillt werden. Von da an ging es aufwärts!!

11. Wie geht es Ihnen heute?

Diese Odyssee hat insgesamt 2 Jahre gedauert. Bis heute bin ich wieder ganz gesund und hatte auch keinen Rückfall oder ähnliches.

12. Was raten Sie Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind, wie Sie vor 13 Jahren?

Ich hoffe, dass die Ärzte heute besser Bescheid wissen.

Auf keinen Fall verunsichern lassen! Man merkt doch, wenn der Körper nicht in Ordnung ist. Bei mir gab es auch Anspielungen darauf, dass ich mir das nur einbilde. Sogar meine eigene Familie hat es nicht Ernst genommen. Ich soll mich nicht so anstellen und ich müsste morgens ja die Betten machen und solche Belehrungen. Es ging ja einfach nicht, weil ich die Bettdecke gar nicht fassen und schütteln konnte.

Man neigt, zu jedem Strohhalm zu greifen, wenn man nicht weiß, was man hat, aber bitte nicht irgendwelchen Klugscheißern glauben. Zum Beispiel hat ein Idiot überall gepostet, nur Knoblauch hilft gegen Borreliose, man braucht kein Antibiotikum. Um Himmels Willen, bitte glaubt solchen Leuten nicht!

Auch muss man nicht unbedingt jedem Arzt zu allem blind zustimmen. Zum Beispiel ist eine Nervenwasseruntersuchung unter Umständen gar nicht aussagekräftig, aber der Arzt veranlasst ja gerne sowas.

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