Ein jahrelanger Kampf bis zur Diagnose Borreliose

Im Herbst 2014 begann für Chantal G. völlig unerwartet ein jahrelanger Leidensweg voller Schmerzen und massiver Erschöpfung. Obwohl sie unter starken körperlichen und kognitiven Einschränkungen litt, wurden ihre zahlreichen Beschwerden von Ärzten immer wieder auf die Psyche geschoben. Erst nach einer fast neunjährigen ärztlichen Odyssee erhielt sie im Mai 2023 endlich die klare Diagnose BorrelioseIn ihrem Erfahrungsbericht schildert sie ungeschönt ihren Weg.

Plötzlicher Beginn und eine Vielzahl rätselhafter Symptome

Im Herbst 2014, während ihrer dritten Ausbildung, fing bei Chantal G. alles an. Völlig unvermittelt traten starke Schwindelanfälle, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, ein Kribbeln in den Beinen sowie Wortfindungsstörungen auf. Kurze Zeit später kamen Schmerzen hinzu, die zunächst in der rechten Hand, dann im rechten Fuß und schließlich im Rücken begannen. Diese Schmerzen breiteten sich im Laufe der Zeit auf weitere Körperstellen aus und wurden erst Jahre später als Entzündungen eingestuft. Zu den weiteren Beschwerden zählten Herzrasen, Sehstörungen, ein niedriger Blutdruck bei hohem Puls, Muskelkrämpfe, Ohrgeräusche und Taubheitsgefühle in den Beinen.

Aufgrund der extremen Müdigkeit und der fehlenden Konzentration war es ihr kaum noch möglich, dem Schulunterricht zu folgen. Auch die Aufmerksamkeit beim Autofahren nahm stetig ab. Für Unternehmungen nach der Arbeit oder am Wochenende fehlte jegliche Kraft. Diese Situation zog sich bis zum Dezember 2022 hin, als eine halbseitige Fazialisparese auftrat, für die es zunächst keine Diagnose gab. Wie schon so oft zuvor wurden die Beschwerden auf Stress und die Psyche geschoben. Dabei hatte Chantal G. bereits etwa ein Jahr vor dem Ausbruch der ersten Symptome zwei Zecken an sich bemerkt. Da sich jedoch keine Wanderröte bildete, dachte sie nicht an eine Borreliose.

Eine jahrelange Ärzte-Odyssee ohne Antworten

Die Ärzte-Odyssee begann im Herbst 2014 bei ihrer Hausärztin. Ein erster internistischer Check-up blieb unauffällig. Da sich ihr Zustand aber weiter verschlechterte und die Symptome zunahmen, suchte sie die Ärztin noch unzählige Male auf. Im weiteren Verlauf konsultierte sie zahlreiche Fachärzte, darunter Neurologen, Orthopäden, Radiologen und Pneumologen, sowie – viel zu spät – einen Borreliose-Spezialisten. Es wurden etliche Untersuchungen durchgeführt, wie zum Beispiel EEG, MRT, Lungenfunktionstests, Röntgenaufnahmen von Rücken, Hand und Fuß, Ultraschall der inneren Organe, Atemtests auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten (Laktose und Weizenmehl), Blutuntersuchungen und im Jahr 2022 schließlich eine Lumbalpunktion.

Die späte Diagnose und der steinige Weg der Behandlung

ach einem jahrelangen Leidensweg brachte der Mai 2023 endlich Gewissheit: Ein Neurologe diagnostizierte die Borreliose per Blutuntersuchung. Er war jedoch der Überzeugung, dass man Borreliose nicht behandeln müsse, da sie von allein wieder verschwinde. Stattdessen wurden die Beschwerden weiterhin auf die Psyche geschoben und Chantal G. wegen der anhaltenden Erschöpfung und der vielen Symptome Psychopharmaka verschrieben, die allerdings keinerlei Wirkung zeigten. Zusätzlich zur Borreliose traten auch Begleiterkrankungen auf, nämlich das Epstein-Barr-Virus, eine Entgiftungsstörung und eine Rickettsiose.

Die Wende in der Behandlung brachte schließlich ein Borreliose-Spezialist. Obwohl ein veranlasster LTT-Test negativ ausfiel, entschied der Spezialist aufgrund der langjährigen Symptomatik, dass eine chronische Borreliose vorliegt, und verordnete das Antibiotikum „SKID“. Dieses nahm sie ab Oktober 2023 für etwa neun Monate ein. Während der Antibiotika-Einnahme trat relativ schnell eine Besserung der Beschwerden ein. Aktuell wird die Borreliose mit dem Vitalpilz Cordyceps, Wilder Karde Tinktur, zahlreichen Nahrungsergänzungsmitteln zur Unterstützung des Immunsystems sowie Zeolith zur Entgiftung des Körpers behandelt.

Der Alltag heute: Ein Leben mit Einschränkungen

Dennoch geht es Chantal G. heute nicht gut. Sie leidet weiterhin unter starker Erschöpfung, Kraftlosigkeit, Müdigkeit, Schmerzen am ganzen Körper und starken kognitiven Einschränkungen. Neben der Borreliose wurde eine genetische Entgiftungsstörung diagnostiziert und der Verdacht auf Fatigue geäußert. Seit über drei Jahren ist sie arbeitsunfähig, musste Erwerbsminderungsrente beantragen und einen Großteil ihrer Hobbys aufgeben. Fast täglich hat sie mit starken Kopf- und Rückenschmerzen sowie Lichtempfindlichkeit zu kämpfen und ist teils nicht in der Lage, ihren Alltag zu bewältigen. Sie benötigt viele Pausen und lange Zeiten, um sich von körperlicher oder kognitiver Anstrengung zu erholen. Jeder Schub verschlechtert ihren Gesundheitszustand dauerhaft.

Bisher hat sie sehr viel Geld in Therapien, Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel investiert.Ihr Antrag auf einen Grad der Behinderung (GdB) wurde abgelehnt, und aktuell kämpft sie um die Erwerbsminderungsrente. Trotzdem lässt sie sich nicht unterkriegen, macht das Beste aus ihrer Situation und hat sich neue, kreative Hobbys gesucht – auch wenn sie ihren geliebten Beruf als Erzieherin und ihre alten Hobbys sehr vermisst.

Wertvolle Ratschläge für andere Betroffene

Anderen Betroffenen rät sie eindringlich, bei einem Verdacht direkt einen Arzt aufzusuchen und auf einen Borreliose-Test zu bestehen. Man dürfe sich nicht abwimmeln lassen, denn nicht jede Borreliose zeige sich durch eine Wanderröte. Zudem empfiehlt sie, sich dringend einen Borreliose-Spezialisten zu suchen und sich beim Borreliose und FSME Bund zu informieren. Auch eine antientzündliche Ernährung sowie die Unterstützung von Darm und Immunsystem legt sie anderen ans Herz. Wichtig sei es, nicht aufzugeben und sich nicht in die „Psychoecke“ drängen zu lassen.

Chantal G. ist entsetzt darüber, dass so wenige Ärzte eine Ahnung von Borreliose und deren Auswirkungen haben. Sie ist überzeugt: Würde man die Patienten mit ihren umfangreichen Beschwerden ernst nehmen und gründlich untersuchen, könnte mit Sicherheit so manches Leid verhindert werden. Sie selbst wurde durch eine Facebook-Gruppe auf spezialisierte Ärzte und den Borreliose und FSME Bund Deutschland aufmerksam. Noch heute steht sie in engem Kontakt mit ihrem Spezialisten, der sich auch im Fachbereich der Umweltmedizin auskennt. Ihr großer Wunsch ist es, dass die Ärzte mehr für diese heimtückische Erkrankung sensibilisiert werden.